Aktuelle Stories

Mit dieser Rubrik wollen wir eine Artikel-Serie quer durch den „Traber-Gemüsegarten“ bieten. Eine Nähe zu Baden soll womöglich gegeben sein, ist aber keineswegs vonnöten. Gerne laden wir dazu auch Gast-Autoren ein, die ihre Berichte an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. senden können, wobei der BTV natürlich darauf achten wird, dass die Seriosität stets gewahrt bleibt und Überlängen vermieden werden.

Die schnellste Beginnerin Österreichs

Dem Traberfan wird die Stute Zante Laser natürlich ein Begriff sein. Nicht nur aufgrund der österreichischen Besitzer ist die Italo-Stute mit großem Potenzial bekannt, sie wird nun in Österreich für weitere Aufgaben vorbereitet und hat zwei Starts in der Wiener Krieau rund um den Jahreswechsel im Visier. Wie der aktuelle Zustand der Stute ist und was die weiteren Pläne sind, erklärt Mit-Besitzer und Betreuer Wolfgang Ruth.

Wolfgang Ruth ist für seine guten Kontakte zur Traberszene in Italien bekannt und landete mit seinem Team vor gut drei Jahren wieder einmal einen echten Volltreffer. Die Jährlingsstute Zante Laser, von Prix-d’Amerique-Sieger Maharajah aus der India di Jesolo (v. Toss Out/ 20 Siege) abstammend, wurde bei der Mailänder Jährlingsauktion auffällig und vom Besitzer-Team Gokesch/Ruth/Ruiner/Herbatschek erworben. Schnell wurde klar, dass die Stute nicht nur besonderes Laufvermögen besitzt, sondern auch den Charakter der Mutter mitbekommen hat. “Sie ist eine Art Wundertüte, man kann keine klaren Prognosen mit ihr erstellen”, äußert sich Wolfgang Ruth zu seiner Stute.

Dennoch verliefen die ersten Starts fast durchgehend positiv. Mittlerweile stehen sieben Siege in der Vita von Zante Laser. Den größten Teil der 49.000 Euro an Preisgeldern holte sie sich die in einem Gruppe-III-Bewerb in Neapel, als sie in ihrer Bestmarke von 1:12,1 über 1600 Meter überlegen reüssierte. Im Mutterland der schnellen Beginner sticht die Antrittsschnelligkeit von Zante Laser auch auf höherem Niveau heraus. “Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in Österreich ein schnelleres Pferd hinter dem Auto gibt”, macht Ruth die Schnelligkeit seiner Stute deutlich.

Über die Saison 2019 bestritt “Zante” einige Rennen auf höchster Stufe in Italien und verkaufte sich dabei trotz der aufkommenden gesundheitlichen Probleme prächtig. Im Frühling wurden diese aber immer größer und man entschied sich für eine Pause über den Sommer. Seit Mai gab man der Stute nun Zeit, sich voll zu regenerieren, um mit frischen Kräften einen neuen Anlauf zu starten. Ruth berichtet von einem Aufenthalt an der französischen Küste, wo man am Meer ihre Probleme mit den Vorderbeinen behandeln ließ, und nun steht sie seit Oktober in Ebreichsdorf.

Zu den weiteren Plänen hält sich Ruth aufgrund ihres Charakters noch ein wenig bedeckt und will Schritt für Schritt gehen. “Es wird am 15. Dezember einen ruhigen Probelauf geben, danach sind zwei Starts in der Wiener Krieau geplant. Beim zweiten Start würde ich sie gerne bei 80-90% sehen.” Somit dürfen sich die heimischen Traberfreunde auf ein echtes Spitzenpferd am Ablauf freuen und den Weg der Stute verfolgen, wobei im Gespräch herauskommt, dass man in Zukunft mit Starts in Schweden liebäugelt.

Daniel Stadler

Fahrplan zum Prix d’Amérique/ II: Délia du Pommereux

Ist schon bemerkenswert: Davidson du Pont hatte 2018 den Prix de Bretagne gewonnen, danach keinen Sieg mehr gefeiert – bis zum „Bretagne“ 2019 (siehe Artikel weiter unten) in beinahe der identen Zeit (1:12,6 im Vorjahr, 1:12,7/ 2700 heuer). Délia du Pommereux hatte 2018 den Prix du Bourbonnais gewonnen, danach keinen Sieg mehr gefeiert – bis zum „Bourbonnais“ am 8. Dezember 2019 in beinahe der identen Zeit (1:13,0 im Vorjahr, 1:13,1/ 2850 heuer)!

Wie auch am 17. November zum „Bretagne“, so herrschte neuerlich unter den Wettern keine Klarheit, im letzten Moment mutierte Délia du Pommereux zur knappen 39:10-Totofavoritin gegenüber Bold Eagle. Hingegen wurde der 5er-Streitmacht von Jean-Michel Bazire wenig Beachtung geschenkt. Womit die „Turfistes“ in beiden Fällen also wieder einmal ihren guten Riecher bewiesen. Bleiben wir gleich beim „Maître“: Dieses Wochenende gelang ihm kaum etwas, zudem fasste Bazire am Samstag neuerlich eine längere Fahrsperre aus. Im „Bourbonnais“ selbst lenkte er diesmal höchstpersönlich seine „Amérique-Titelverteidigerin“ Bélina Josselyn. Platz 11 in (inoffiziellen) 1:13,5 bedeutete vom Stil her immerhin einen kleinen Ansatz, da sie nicht allzu weit weg von der Musik landete, echt überzeugend agierte die „Primaballerina“ jedoch wieder nicht. Bazire wird sie wohl erst zum großen Rennen von allen vier Eisen befreien. Seine anderen Hochkaräter, Davidson du Pont und Looking Superb, kamen rundum beschuht an den Ablauf, wurden deshalb am Toto gar nicht beachtet und endeten ebenfalls unplatziert bzw. nach Startfehler disqualifiziert.

Vom Rennverlauf war’s für die Schilderung eine sehr einfache Angelegenheit. Bold Eagle (Eric Raffin) kam nicht sonderlich gut weg, begab sich aber bald auf den Vormarsch und übernahm nach ca. 800 Metern das Kommando. Nun lagen an der Innenkante direkt hinter ihm Délia du Pommereux (Franck Nivard) und Billie de Montfort (Gabriele Gelormini), während die neben Bold Eagle auftauchende Bahia Quesnot (Junior Guelpa) im Einlauf etwas abbauen sollte. Und genau diesen Umstand nützte Nivard zum finalen Angriff auf seinen ehemaligen Weggefährten, der fast schon „zu Hause“ schien. Mit halber Länge fing „Délia“ prompt „Boldie“ noch ab, trotzdem grinsten sich nach der Ziellinie beide Fahrer an. Denn auch Raffin durfte bei seiner Premiere mit dem zweifachen PdA-Gewinner ziemlich zufrieden sein. Blendend schlug sich dahinter aber mit Rang drei auch Billie de Montfort, für die es im Jahr 2019 bei 20 Starts durch acht (!) Länder gegangen war.

Vom Restfeld zeigte die sehr speedige „Schweizerin“ Uza Josselyn als Vierte auf, dahinter endete „Délias“ Stallgefährte Enino du Pommereux nach aufwändigem Verlauf wie im „Bretagne“ auf Platz fünf, noch klar vor Bahia Quesnot. Von den „Ausländern“ hielt sich der Italiener Vitruvio als Neunter nicht übel, hingegen stellte der Schwede Who’s Who neuerlich seine Abneigung gegenüber dem Geläuf von Vincennes unter Beweis, sprang diesmal gar bereits kurz nach dem Start (wie Looking Superb) rettungslos weg.

Delia

Damit gibt es nun nach zwei „B“-Vorprüfungen sechs Fix-Qualifizierte für den Prix d’Amérique am 26. Jänner 2020: Davidson du Pont, Chica de Joudes, Looking Superb, Délia du Pommereux, Bold Eagle und Billie de Montfort. Doch nur „Geheimtipp“ Chica de Joudes, die diesmal nicht mit von der Partie war, benötigte die Platzierung wirklich, alle anderen weisen ohnehin genügend Preisgeld am Konto auf. Ein Wort noch zu Bold Eagle: Da wurde im Vorfeld von einer kleinen Blessur gesprochen, die ihn aber sichtlich nicht störte. Der Vortrag bis an die Spitze war offensiv, dann fehlte auf den letzten Metern nur das letzte Quäntchen Kampfgeist. Aber den Trip nach Kanada scheint er gut überstanden zu haben, und mit Eric Raffin hat er jedenfalls einen ausgezeichneten Catchdriver im Sulky – ein Duo, dem im „Amérique“ viele Herzen zufliegen werden. „Boldie’s“ Ex-Driver, Franck Nivard, wird natürlich der Fahrer von Délia du Pommereux bleiben. Für die Stute, mit der sich Trainer Sylvain Roger Ende Jänner einiges ausrechnet, auch bestimmt kein Nachteil.

Einer, der ebenfalls genug an Prämien verdient hat und längst als Mitfavorit für den Prix d’Amérique gehandelt wird, trat übrigens schon am Samstag an: Face Time Bourbon. Der Vierjährige bestritt da im Jahrgang den Prix Octave Douesnal und gewann ihn nach einer Spazierfahrt von Björn Goop in 1:14,6/ 2700. Dessen Bummelei sah freilich wenig attraktiv aus, vor allem, als er seinen Schützling im Schlussbogen nochmals aufnahm, dabei die hinter ihm postierten Falcao de Laurma und Frisbee d’Am so sehr in Bedrängnis brachte, dass sie schwer einsprangen. Aber mit dem jungen Franzosen in italienischem Besitz mit dem schwedischen Fahrer wird im Preis von Amerika wohl zu rechnen sein…

Gerhard Reichebner

Die Richtung stimmt!

Natürlich hat diese Überschrift keine politische Färbung, dies läge niemals in der Intention des BTV. Vielmehr gemeint ist das Ziel, das Rudi Haller mit seinem Supercrack Orlando Jet im Besitz des Teams Neuhof aus dem nahen Velm im Bezirk Bruck/ Leitha ausgegeben hat. Und dieses lautet bekanntlich: Prix du Luxembourg am Samstag, 25. Jänner 2020.

Wir wussten dies schon länger, Haller hat es dann sozusagen offiziell nach seiner „siegreichen Arbeit“ im Hunyady-Memorials ausgesprochen. Allerdings mit einer Einschränkung: „Sollte ich merken, dass er nach einer doch etwas intensiveren Saison nicht mehr 100 Prozent gibt, ist sofort Schluss.“ Daher wurde das Antreten von Orlando Jet am vergangenen Donnerstag, 5. Dezember, im Prix Jean Boillereau (ehemals Prix de Blois/ 80.000 Euro) zu einem wahren Gradmesser. Mit Startnummer 15 musste er da aus der zweiten Reihe antreten und lag bis zum Berg an vorletzter Stelle des 16er-Feldes. Von da an verbesserte er sich in dritter Spur sukzessive nach vorne, schnaufte bei Erreichen des Einlaufs etwas durch, zog dann aber wieder prächtig an und wurde Vierter in 1:11,5a/ 2100. Womit er sein Konto um 6.400 auf exakt 389.651 Euro schraubte. Für mich als Beobachter war es eine hervorragende Vorstellung. War es dies aber auch für Rudi Haller, und vor allem: Stimmt die Richtung zum Prix du Luxembourg?

„Oui, die stimmt absolut“, wobei das ‚oui‘ eher als bayerisches ‚woih‘ klang. „Er hat mich auch nach der etwas längeren Rennpause seit dem Hunyady voll überzeugt. Es sieht gut aus für den Luxembourg – wenn wir drankommen.“ Das sollte sich vermutlich doch ausgehen, im Vorjahr kamen Pferde mit einer geringeren Gewinnsumme an die Reihe. Und gut möglich, dass sich Orlando Jet bis dahin noch auf über 400.000 Euro verbessert. Rudi Haller hat für ihn als Generalprobe den Prix de Lille am 5. Jänner (wieder um 80.000 Euro) ausgemacht. „Der ist mir lieber als der Prix de Bourgogne am 29. Dezember. Beide Rennen gehen über 2.100 Meter mit Autostart, aber der Prix de Lille sollte doch um einiges leichter sein als die Vorprüfung zum Prix d‘Amérique.“

Geschlagen geben musste sich Orlando Jet diesmal auch nur den drei Top-Chancen aus der ersten Reihe, Colonel (Jean-Michel Bazire; 11,3), Detroit Castelets (David Thomain; 11,4) und Tessy d’Ete (Franck Nivard; 11,4), allesamt vermutliche Gegner im „Luxembourg“, aber nur Colonel passt etwa auch in den Prix de Lille. Bazire war übrigens nach seiner Sperre „on fire“, holte sich am Donnerstag als Fahrer gleich die Hälfte der acht Prüfungen!

Gerhard Reichebner

Atalanta oder …?

Der Titel bezieht sich auf Martin Redls und Nadja Reisenbauers „Bauchgefühl“, als es darum ging, sich beim Ankauf eines Trabers zu entscheiden. Schlussendlich, und das kann man jetzt schon nach knapp drei Monaten analysieren, war es die richtige Entscheidung. Denn der in Baden ansässige Trabertrainer und seine junge Freundin gaben der dreijährigen Atalanta gegenüber der Vierjährigen Quuenie den Vorzug. Seit diesem Erwerb hat das österreichisch registrierte „Pferde-Teenie“ für ihre neue Besitzerin alle drei Bewerbe, in denen sie an den Start kam, zu einem Sieg umgemünzt!

Wie kam es zum Erwerb? Ihr Züchter und Besitzer Jiri Svoboda unterhält in der Nähe von Ostrava ein Riesengestüt und ist auch Eigentümer der Rennbahnanlage in Bravantice. Seit etlichen Jahren bereichert er auch den österreichischen Markt mit seinen rot-weiß-rot registrierten Pferden, doch seinen bislang größten Erfolg feierte er mit dem im französischen Zuchtregister eingetragenen und laufgewaltigen Boccaccio, der bereits knapp € 300.000,- an Prämien sammelte und u. a. auch in Paris-Vincennes reüssieren konnte.

Zurück aber zu Atalanta, die ihr Österreich-Debüt im vorjährigen Badener Zukunfts-Preis mit Christoph Fischer absolvierte, jedoch dort und genauso wie im „Bürger“ in Wien keine Rolle spielte. Dann wechselte Svoboda den Catchdriver, und Martin Redl holte mit ihr am 16. Juni mit kleiner Steigerung Rang vier. Noch immer blieb ihr Talent unentdeckt, auch nach dem Start Mitte Juli in Baden, wo die Paarung einen weiteren vierten Platz herausfuhr.

Knapp zwei Monate später kam es eben zum Ankauf der sehr prominent gezogenen Dreijährigen, deren Mutter Alies in Italien Seriensiegerin gewesen war. Atalantas Vater ist Aristote, ein Sohn des legendären Florestan, womit die Stute später auch für die heimische Zucht überaus interessant erscheint.

altRedl veränderte kaum etwas an Beschirrung und Beschlag, trainierte den Stall-Neuankömmling weiter und war mit ihrer Steigerung nach dem Quartierwechsel sehr zufrieden. Dennoch rechnete man sich im „Beess-Memorial“ am Wiener Hunyady-Tag zwar eine Steigerung, aber keinesfalls einen Sieg und schon gar nicht in der starken Marke von 1:14,8a/ 1600m aus, was sich auch am Totalisator mit 209:10 widerspiegelte. Den absoluten österreichischen Stuten-Dreijährigen-Rekord vom Super Hall (5. Juni 2016/ Bürger-Memorial) verfehlte sie damit auch nur bloß um 2/10-Sekunden! Klar, dass im Umfeld der Dreijährigen eine Riesenfreude aufkam, und die blieb bis dato ungebremst. Atalanta siegte auch im Vorlauf und Finale zur Global-Entertainment-Trophy und ließ besonders im Endlauf aus den Bändern mit nicht einmal kräfteschonendem Rennverlauf einen Zweifel um den Sieg aufkommen!

Martin Redl sieht in ihr ein tolles Rennpferd und aktuell im Jahrgangsranking einen Platz zwischen 3 bis 5. „Vielleicht können wir im Derby mitmischen, das große Ziel heißt aber eindeutig Österreichisches Stuten-Derby 2020 in Baden“, so der optimistisch klingende Trainer im Interview. Kommt mit ihr aus Baden wieder einmal ein Zuchtrennsiegerpferd?

Aktuell genießt Atalanta jedenfalls in ihrem Badener Trainingsquartier ihre wohlverdiente Winterpause.

Thomas Kancnyr

Cleangame – schneller als die Polizei erlaubt!

Mit seinem Antreten in Nantes, wo er „natürlich“ auch gewann, hatte sich Cleangame die Berechtigung für das 130.000 Euro „schwere“ Finale zum Grand National du Trot in Paris-Vincennes gesichert. Siehe auch (unten) unseren allerersten Artikel auf der BTV-Homepage, in dem wir dieses Szenario vorgezeichnet hatten.

Was sich damals anderen ausländischen Berichterstattern nicht so erschlossen hatte, trat tatsächlich ein. Obwohl noch dazu sein Trainer, Jean-Michel Bazire, mit einem Fahrverbot belegt war, erfreute Cleangame die Franzosen am ersten Advent-Sonntag trotz einer 50-Meter-Pönale mit seiner Anwesenheit. Und obwohl noch nie davor ein Pferd dieses Rennen mit einer solchen Zulage gewinnen hatte können, wurde er zum 24:10-Favoriten erkoren. Als Catchdriver engagierte Bazire – wo sonst gibt es das? – ausgerechnet seinen designierten Nachfolger als Champion: Prompt spielte sich auch Eric Raffin mit dem Sohn von Ouragan de Celland, der in seiner Rennkarriere nicht sehr auffällig war (8 Siege, nur 2x Zweiter in einem Gruppe-II-Bewerb). Cleangame machte somit auch die „Schmach“ aus dem Vorjahr wett, als er dieses Finale als Favorit bloß auf dem dritten Platz beendete.

Es war einmal mehr beeindruckend, wie Cleangame in äußeren Spuren schon früh nach vorne marschierte, sogar noch ausgangs des Bogens von Joinville die Führung übernahm, dann kurz mit dem Trainingsgefährten Dorgos de Guez rochierte, um in Folge ganz locker in neuem Renn- und Vincenner Distanzrekord von 1:11,5/ 2900 zu triumphieren. Das entspricht auf dem langen Weg außerdem einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50,35 km/h, mit der er im Pariser Stadtgebiet geblitzt worden wäre…

Gut vorstellbar, dass Bazire seinem Ausnahmekönner jetzt eine kleine Pause gönnt, zumal dieser als Wallach – leider – von allen Großprüfungen des Winter-Meetings ausgeschlossen ist. Die „GNT“-Gesamtwertung ging übrigens mit 53 Punkten an Elvis Madrik, der heuer bei sieben Stationen der Tour anwesend war, davon 2x siegreich war. In diesem Showdown hatte er letztlich zwar als finaler Neunter keine Chance, rettete das „Gelbe Trikot“ aber gegen Bachar (51 Punkte/ 8 Starts im GNT/ 1 Sieg/ diesmal ebenfalls unplatziert) ins Ziel.

Gerhard Reichebner

Fahrplan zum Prix d’Amérique/ I: Davidson du Pont

Aktuelle Artikel zu dieser Jahreszeit beinhalten in der Traberszene stets den Blick gen Westen nach Paris. Eine durchaus gelungene Maßnahme der Verantwortlichen war vor wenigen Jahren, die Qualifikation auf das große Rennen am letzten Jänner-Sonntag etwas übersichtlicher zu gestalten: Jeweils die ersten Drei der vier „B“-Vorprüfungen sind fix dabei, dazu die Sieger von Prix Ténor de Baune und Critérium Continental plus die absolut gewinnreichsten Pferde, sofern sie im Jahresverlauf ein bisschen etwas (20.000 Euro) auf ihr Konto gebracht haben.

Die erste Gelegenheit, auf den Zug aufzuspringen, bot nun am Sonntag, 17. November, der Prix de Bretagne (110.000 Euro), das erste „B“-Rennen, das am Papier und am Toto sehr ausgeglichen aussah. Wie schon im Vorjahr, so reüssierte aber auch heuer Davidson du Pont ziemlich sicher, und dies mit fast der identen Zeit, 1:12,7/ 2700 (2018: 12,6). War aber im Vorjahr noch „Maître“ Jean-Michel Bazire selbst hinter ihm gesessen, so hatte er diesmal schon jetzt die Zügel Franck Ouvrie überlassen, der im Vorjahr dann mit ihm im „Amérique“ Vierter wurde. Ouvrie machte jedenfalls alles richtig, lag kurz in Front, ehe er dem Schweden Who’s Who die Führung überließ, um bei Erreichen der Endgeraden perfekt wieder freizukommen. Ob mit einem kleinen „Foul“ gegen den da neben ihm liegenden Traders, oder doch ohne, lässt sich aus der Entfernung schwer sagen.

Davidson du Pont ist somit höchst offiziell für den Prix d’Amérique 2020 qualifiziert, ebenso die beiden Platzierten, Chica de Joudes (Alain Laurent) und Looking Superb (Alexandre Abrivard). Die Stute ist eine echte Aufsteigerin des Jahres – 7 Siege und fast 260.000 Euro verdient! Ganz interessant aber auch ihr Trainer und Fahrer: Alain Laurent. Der nun 66jährige Routinier war früher eine ganz große Nummer, vor allem im Trabreiten. 1974, vor 45 Jahren (!), triumphierte er auf Cette Histoire im Prix de Cornulier, dann mit Kaprius (1983) und Fripon Rose (1999) noch weitere zwei Mal. Sein letzter echt großer Crack vor dem Sulky war Mitte der 90er-Jahre Steed James. Laurent legte es wieder einmal überaus offensiv an, kutschierte Chica de Joudes zunächst durch die Todesspur, erdrückte in der Folge Who’s Who und musste sich Davidson du Pont letztlich nur knapp mit halber Länge beugen. Und das mit allen vier Eisen an den Hufen! Bleibt die Stute bis zum Tag X fit und schafft Alain Laurent dann auch ein taktisches Kalkül, ist Chica de Joudes für mich eine echte Sieganwärterin.

Natürlich bleibt auch der Dritte, der Norweger Looking Superb, auf der Liste ganz oben. Stets in der Spitzengruppe vertreten, zog er als Dritter brav durch, als Catchdriver wird mit ihm Alexandre Abrivard wohl wie im Vorjahr agieren dürfen, als die beiden im Prix d’Amérique sensationell den Ehrenplatz eroberten. – Ganz knapp schrammte Tony Gio (Jean-Philippe Monclin) an diesem ominösen dritten Platz vorbei, doch spielt das für den gebürtigen Italiener (und Sohn des großen Varenne) bei Gewinnen von fast 900.000 Euro ohnehin keine Rolle.

Dieses Quartett machte also klar den besten Eindruck. Von den beiden „Pommereux“-Cracks schnitt „Enino“ besser ab als die Bretagne-Vorjahrszweite „Delia“ (diesmal 8.). Dazwischen hielt sich Eugenito du Noyer (6.) ordentlich, schließlich war der Stallgefährte des legendären Ourasi erst Ende August bei seinem Triumph im französischen Fünfjährigen-Derby so richtig ins Blickfeld gekommen. Als Teilnehmer wird dieses Trio für den „Amérique“ in Frage kommen, mehr wohl nicht. Die vielleicht etwas höher einzuschätzende Bahia Quesnot kam diesmal kurz nach dem Start von den Beinen und lief bloß nach.

Bei Who’s Who muss man mit einer Beurteilung vielleicht noch zuwarten. Der schwedische Derbysieger von 2018 leistete zunächst für die Führung viel, gab später gegen Chica de Joudes relativ früh nach, stiefelte immerhin passabel weiter und lief als Neunter durchs Ziel. Negativ fällt bei ihm aber auf, dass er nun schon zum zweiten Mal in Vincennes unter den Erwartungen blieb – vor 13 Monaten enttäuschte er als hoher Favorit im Grand Prix de l’UET als Vierter. Ob das aus dem Kopf des Maharajah-Sohn geht?

Und dann wäre natürlich noch Belina Josselyn. Die „Amérique“-Titelverteidigerin, die 2019 auch noch Prix de Paris gewann, danach wegen einer Verletzung jedoch lange pausierte, absolvierte nun ihren dritten nichtssagenden Auftritt im Meeting. Diesmal durfte ihr Bazire‘s Sohn Nicolas den Kurs zeigen, abermals trat sie mit allen vier Eisen an und war am Toto entsprechend unbeachtet. Stets am Ende des Feldes postiert, zeigte sie etwa auch im Einlauf keinen Elan. Muss man sich um die „Ballerina“ Sorgen machen oder wird sie mit Jean-Michel Bazire im Sulky wieder die „Alte“ sein? Skepsis ist angebracht, aber abschreiben will ich „Belina“ natürlich jetzt auch noch nicht.

Der nächste PdA-Check folgt hier nach dem Prix du Bourbonnais (8. Dezember).

Gerhard Reichebner

Evita Viking ist die „Provinz-Kaiserin“ 2019

Gäbe es wie in Frankreich – siehe darunter den Artikel zu Cleangame – eine „Österreich-Rundfahrt“ der Traber, dann wäre Evita Viking eine heiße Anwärterin. 2019 gewann sie nämlich in nicht weniger als vier verschiedenen Bundesländern – in Niederösterreich (Edelhof/ 21. Juli, Baden/ 8. September), Oberösterreich (Wels/ 31. Mai, Bad Ischl/ 15. August), der Steiermark (Gröbming/ 27. Juli) und in Tirol (Kirchberg/ 26. Oktober). Das gelang keinem anderen Traber heuer! Nur in der Wiener Krieau reichte es bislang „nur“ zu zwei Ehrenplätzen, aber auch da kann ein Sieg ja noch folgen.

Das alles in einer Saison, die am 6. Jänner auf Schnee in Kitzbühel begann, und in der die Stute bei Verfassen dieser Zeilen 17 Starts absolvierte. Sechs davon also siegreich, macht für die gesamte Karriere 28 volle Erfolge! Ob’s 30 werden? „Wäre natürlich schön, aber sie ist nächstes Jahr zehn Jahre alt. Auspressen wollen wir sie natürlich auch nicht. Das hätte sie einerseits nicht verdient, andererseits besitzt sie als Love-You-Tochter aus einer tollen Mutterlinie auch eine Abstammung mit viel Phantasie“, denkt Trainer Gerhard Mayr laut über das Ende ihrer Laufbahn nach. „Ende Jänner sehen wir weiter.“

Dass Evita Viking überhaupt noch ein – noch dazu außerordentlich gutes – Rennpferd (absoluter Rekord 1:13,1, rund 70.000,- Euro Gewinne) wurde, ist eigentlich ein kleines Wunder. Der bayerische Züchter Peter Mayer ließ sie von Josef Franzl einbrechen, dann ereignete sich aber ein böser Unfall, bei dem sie einen Schädelbruch erlitt, der sie dann auf einem Auge zudem sehr schlecht sehen ließ. 3jährig versuchte es Mayer dann bei Mayr, der „Evita“ quasi nochmals an den Wagen gewöhnte und die hypernervöse Stute u. a. mit einer Schwimm-Therapie ruhiger bekam, wenngleich sie bis heute sehr empfindlich geblieben ist. Dass sie enormes Laufvermögen hatte, sah man längst. Mayer verkaufte dennoch an Mayr, ganz exakt an Christian Mayr. Und eine schöne Erfolgsgeschichte – mit Siegen natürlich auch auf vielen anderen Schauplätzen als den oben für 2019 genannten – konnte beginnen.

Gerhard Reichebner

Das Wintermeeting begann mit einem „sauberen Spiel“

Alle Traber-Insider blicken Jahr für Jahr auf das Spektakel von Paris-Vincennes, das sich „Winter-Meeting“ nennt und heuer von 30. Oktober 2019 bis – „Danke Schaltjahr!“ – 29. Februar 2020 andauert. Der „Prix des Cevennes“ (90.000 Euro) ist normalerweise ein eher unspektakuläres Auftaktrennen, das sich heuer aber durch das Antreten von Seriensieger Cleangame auszeichnete. Der 7j. Wallach erledigte diese Aufgabe als 15:10-Topfavorit in 1:12,0/ 2850m mit Kult-Driver Jean-Michel Bazire auch höchst souverän, gewann da vor „Provinz-Kaiser“ Balbir (12,1) sowie Bahia Quesnot (12,2), die als Aufsteigerin des Jahres 2019 gilt und hier – im Hinblick auf kommende Aufgaben – eigentlich nur „mitlaufen“ sollte.

Dieser Cleangame war natürlich schon 2018 dank neun Erfolgen bei elf Starts in ganz Frankreich bestens bekannt, weil er die „Tour de France“ der Traber an acht verschiedenen (!) Stätten siegreich beehrt hatte. Nur zum Finale in der Hauptstadt reichte es „bloß“ zu Rang drei. Dann aber holte er sich am 26. Jänner 2019, am Vortag des Prix d’Amérique, den „Luxembourg“ souverän in seiner Bestzeit von 1:10,8a/ 2100m, um in der Folge – bis dato – heuer weitere acht Mal zu reüssieren. Nach Verfassen dieses Artikels stand am Mittwoch, 6. November, für ihn die 12. Etappe des „Grand National du Trot“ auf dem Programm. Gelaufen in Nantes, wo er auch im Vorjahr zugeschlagen hatte, und natürlich als Sprungbrett gedacht für die neuerliche Qualifikation für das „Tour“-Finale in Paris am 1. Dezember. Dann ist also „Wiedergutmachung“ bei den Fans für das Vorjahr angesagt.

Viel mehr wird man von Cleangame dann im Meeting wohl nicht mehr sehen, da er als Wallach von den ganz großen internationalen Prüfungen – dem Prix d’Amérique und allen Vorprüfungen darauf – ausgeschlossen ist bzw. seinen Titel im „Luxembourg“ aufgrund der so hoch gewordenen Gewinnsumme (1,1 Mio Euro) auch nicht verteidigen darf. Für diesen Prix du Luxembourg erhoffen wir aber natürlich das Antreten von Orlando Jet aus dem „Team Neuhof“ mit Rudi Haller, der ein solches nach dem „Hunyady“-Triumph ankündigte, „wenn sich Orlando bis dahin voll einsatzbereit zeigt.“

Wir werden an dieser Stelle immer wieder nach Paris schielen, schließlich steht das Highlight am letzten Jänner-Sonntag auch unter dem Motto „100 Jahre Prix d’Amérique“, da die erste Auflage 1920 (Premierensieger: Pro Patria) stattfand. Ihr Autor dieser Zeilen feiert immerhin den „40er“, den Eléazar im Jahr 1980 eingeleitet hatte…

Gerhard Reichebner

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