Aktuelle Stories

Mit dieser Rubrik wollen wir eine Artikel-Serie quer durch den „Traber-Gemüsegarten“ bieten. Eine Nähe zu Baden soll womöglich gegeben sein, ist aber keineswegs vonnöten. Gerne laden wir dazu auch Gast-Autoren ein, die ihre Berichte an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. senden können, wobei der BTV natürlich darauf achten wird, dass die Seriosität stets gewahrt bleibt und Überlängen vermieden werden.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm/ II:

“Wir zählen schon gemeinsam die Jahre”

Wie schon in einem zuvor veröffentlichten Beitrag erwähnt, darf der Traber-Nachwuchs auf gar keinen Fall zu kurz kommen und spielt zukunftsorientiert natürlich eine große Rolle. Auch im Falle der Familie Preining fällt der Apfel nicht weit vom Stamm – Johann Preining jun. (38) gibt Einblicke in seine erfolgreichste Zeit als Amateurfahrer und Papa eines hoch talentierten sowie faszinierten Sohnes. Ist die Euphorie für „unseren“ Sport zwar vielleicht nicht mehr so groß wie vor Jahrzehnten, die aktuelle Jugend lässt Traber-Österreich aber hoffnungsvoll auf zahlreiche ambitionierte Talente blicken.

Für Johann “Hansi” Preining verlief 2019 wie im Bilderbuch. Über das ganze Jahr gewann er Rennen um Rennen, agierte konstant auf hohem Level, lag bereits im Badener Sommer auf Kurs und sicherte sich völlig verdient wie überlegen den Staatsmeistertitel. Dem nicht genug, folgte nun Ende Jänner ein Start im Traber-Mekka von Paris-Vincennes, wo das jährliche Amateurfahren am Samstag vor dem Prix d’Amérique mit dem Prix du Luxembourg auf dem Programm stand. Für einen erfahrenen Mann wie Preining kein Grund, nervös zu werden. Ganz im Gegensatz dazu Sohn Raphael (wird jetzt am 15. Februar 8 Jahre alt), der den Oberösterreicher bis unmittelbar vor dem Start – im wahrsten Sinne des Wortes – auf Trab hielt: “Fünf Minuten, bevor ich mit meinem Pferd auf die Bahn musste, wollte er eine Palatschinke, kurz danach musste er aufs Klo. Ich habe erst nach dem Rennen realisiert, warum er gar so lästig war “, konnte sich Preining ein Lächeln nicht verkneifen.

Das Lächeln sollte auch so schnell nicht vergehen, denn nach seiner Traumfahrt spielte es Minuten später für ihn die österreichische Bundeshymne im Winner Cercle auf dem Plateau de Gravelle – hört man dort auch nicht alle Tage… Aber gehen wir noch einen Schritt zurück und blicken auf die Ausgangslage. Preining bekam mit Jet Voice ein norwegisches Pferd unter der schwedischen Trainer-Regie von Robert Bergh. “Ich habe mir einen Schweden gewünscht, und auch die Startnummer war ideal. Ich wollte losfahren und mir eine gute Lage suchen“, ging Preining mit Optimismus ans Werk. Zu Recht, denn nach einer Runde beorderte er seinen Schützling aus Innenlage im zweiten Paar in die zweite Spur und wartete auf die finale Attacke. “ Kurz hatte ich vor dem Wechsel in die zweite Spur Angst, nicht frei zu kommen, aber der Bazire schafft das ja auch immer”, berichtet Preining mit einem Augenzwinkern. Auf die Frage, wann er an den Sieg glaubte, gibt es eine klare Antwort: “Am Ende des Bogens war ich mir sicher, es würde reichen, dass Jet Voice kurz nach innen drängte, war meine einzige Sorge.” Bei der Zieldurchfahrt jubelte Preining überschwänglich, danach wurde er herzlich von Familie und Freunden empfangen, rund 20 bis 30 Österreicher feierten den Sieg mit. Natürlich strahlte auch Sohn Raphael mit seinem Vater um die Wette und vergoss wie Mutter Simone die eine oder andere Freudenträne. “Er lebt diesen Sport voll mit, verfolgt täglich Rennen und wollte Fotos mit Belina Josselyn und Bold Eagle. Er war total nervös, nach dem Rennen war aber alles wieder gut.”

Preining Sieg Vicennes 250120 1  Raphi Preining

"Hansi" Preining mit Sohn Raphael und Gattin Simone im Pariser Winner-Cercle (links), mit seinem Ironman feierte "Raphi" schon sehr schöne Erfolg in Minitraber-Sulky

Preining selbst ordnet den tollen Sieg in Vincennes, auch wenn ein Vergleich schwierig ist, jedoch hinter den Staatsmeistertitel ein. “ Paris war nur ein Rennen, wenn ich wählen müsste, würde ich das Championat nehmen, aber am liebsten war mir natürlich beides”. Auf die abschließende Frage, ob man sich in Zukunft auf ein Duell von Vater und Sohn Preining einstellen kann, hatte er noch eine interessante Anekdote parat. “Raphael und ich zählen schon die Jahre und rechnen uns aus, wie lange ich dann noch fahren kann. Ich hoffe, es wird lange sein “, so der gelernte Konditormeister mit großer Vorfreude auf die Dinge, die da noch kommen.

Daniel Stadler

Ein großartiger Prix d’Amérique 2020 an das „Vier-Nationen-Pferd“ Face Time Bourbon!

Aus unserer Vorschau – Erich Weiss tippte sogar den exakten Einlauf der ersten Drei – ging immer wieder hervor, dass beim fünfjährigen Face Time Bourbon zwar die Klasse unbestritten sei, er aber vielleicht zu jung gegen diese geballte Phalanx von älteren Könnern sei. Die Jugend war jedoch nicht das Handikap – die jugendliche Spritzigkeit, gepaart mit einem überragenden Fahrer, war vielmehr der Schlüssel zum Triumph!

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Bei angenehmen äußeren Bedingungen ging es mit dem 1. Rennen diesmal schon um 12 Uhr los, offiziell wollten genau 39.978 Zuschauer beim „hundertjährigen Fest“ live dabei sein, das waren um fast 4.000 mehr als im Vorjahr! Auch beim Wetten setzte sich der jüngste, leicht positive Trend fort: Auf den Prix d’Amérique selbst wurden insgesamt 18,9 Mio. Euro gewettet (+ 2% zu 2019), die „PMH“-Summe (Wetten nur am Rennplatz in Vincennes) blieb zwar mit 1,675 Mio. klar unter jener von 2019, die landesweiten PMU-Umsätze nach Paris-Vincennes machten aber 30,2 Mio. (+ 1,7%, allerdings auch ein Rennen mehr) aus, und der PMU-Premium-Umsatz für den gesamten Sonntag lautete auf 33,7 Mio. (+ 13,1%). Wobei zu sagen ist, dass es im Vorjahr keine zweite Premium-Bahn gab, diesmal mittags mit Nantes sehr wohl eine. Vom Rekordumsatz 2010 war man freilich mehr als sechs Millionen entfernt, aber das Tief scheint immerhin überwunden. Dass die PMU aus gewissen Fehlern gelernt hat, ist schließlich auch für Österreich nicht unwichtig.

Auf den Rängen wurde es zum Rennen hin zwar sehr eng, aber die Besucher wurden zum Thema auch „100sationell“ unterhalten, zumal die Präsentations-Show diesmal erst nach dem 3. Rennen stattfand und wirklich gut gemacht war. Jean-Pierre Barjon, der neue starke Mann in Frankreichs Rennsport, zeigte sich hernach bei der Pressekonferenz prompt sehr glücklich, freute sich auch, „dass gleich der erste Start beim „Amérique“ klappte und es ein Renntag ohne Zwischenfälle war.“

Bei diesem sogleich gültigen Start konnten sich die „gemeinten Pferde“ außer Bold Eagle und der bekannter Weise nicht gut beginnenden Bélina Josselyn auch früh weit vorne positionieren. „Ténor-de-Baune“-Gewinner Excellent schoss an Billie de Montfort vorbei förmlich in Front, sprang jedoch Mitte des Bogens von Joinville urplötzlich weg. Alexandre Abrivard haderte: „Das war so unerwartet, weil er prächtig in der Hand lag. Ich hätte gewonnen!“ Was niemals bewiesen werden kann… Dann trat die Bazire-Phalanx komplett auf den Plan und lag Mitte des Anstiegs fast auf einer Höhe: Looking Superb, daneben 30:10-Totofavorit Davidson du Pont und auch die außen vorgepreschte Bélina Joselyn – stets aus nächster Nähe beäugt von dem direkt dahinter in zweiter Spur gehaltenen Face Time Bourbon, zu dessen äußerer Seite sich am Berg auch Bold Eagle peu à peu gesellte. Und dann trat der Umstand ein, den Thomas Kancnyr in seinem Tipp angemerkt hatte: die Stalltaktik!

Aber es war nicht das Bazire-Trio, das nun die Fäden zog, sondern das Duo der Scuderia Bivans von Trainer Sébastien Guarato, denn Face Time Bourbon erhielt Ende des Anstiegs aus dem Mitteltreffen aktive Hilfe von Vivid Wise As. Yoann Lebourgeois diktierte den Reportern danach in die Notizblöcke: „Ich lag in vierter Spur, also musste ich etwas unternehmen.“ Sehr diplomatisch gesagt, denn a) gab er den „Bazire’s“ an der Spitze keine Verschnaufpause, sondern erhöhte dadurch das Tempo und ging mit mächtiger Unterstützung gar an die Tête, b) sprang er bei Erreichen der Einlaufgeraden – ob dermaßen ermattet (was natürlich verständlich wäre) oder ein klein bisschen absichtlich? – ein. Was Face Time Bourbon endgültig die (Innen-)Spur zum Sieg freimachte, die er jedoch vermutlich immer erhalten hätte!

Und jetzt kam die jugendliche Spritzigkeit zum Tragen. Face Time Bourbon – natürlich von Björn Goop meisterlich unterstützt – machte sich flach wie ein Brett, übersetzte nochmals in einen höheren Gang und siegte dank 1:09,9 für die letzten 500 Meter bzw. 1:04,9 für die letzten 200 Meter (!) sogar noch sicher. Dass die gesamte Kilometerzeit mit 1:11,5/ 2700 um drei Zehntel über dem Rennrekord lag, wird den Triumphatoren egal gewesen sein. Das in unserer Vorschau ebenfalls angesprochene Omen trat also ein: Wie schon 1920 (Pro Patria) reüssierte 100 Jahre später auch 2020 ein Fünfjähriger – zum 16. Mal in der Historie, zum dritten Mal (nach Offshore Dream/ 2007 und Bold Eagle/ 2016) im 21. Jahrhundert. In jedem Fall war’s der „internationalste“ Sieg im „Amérique“ jemals – der Fahrer ein Schwede, Trainer und Pferd Franzosen, der Züchter Deutscher (Rainer Engelke/ Haras de Saint-Martin in der Normandie/ alle Pferde enden mit „Bourbon“), der (Haupt-)Besitzer ein Italiener (Antonio Somma aus Neapel).

Zieleinlauf FTB klein

Hinter dem bei Toto 41:10 abgestarteten Face Time Bourbon komplettierten die brav durchziehenden Davidson du Pont (Franck Ouvrie: „Ob sie es mir glauben oder nicht, ich bin zufrieden“) und Bélina Josselyn (70:10; Jean-Michel Bazire: „Sie ist mindestens so gut gelaufen wie im Vorjahr, hatte nur einen etwas schlechteren Verlauf“) die Favoriten-Dreierwette. Dahinter sprinteten die großen Außenseiter Chica de Joudes (Alain Laurent: „Ich bin sogar leicht enttäuscht, da der dritte Platz möglich gewesen wäre, wenn wir früher finishen hätten können) und Vitruvio (Alessandro Gocciadoro: „Bin hochzufrieden“) zu den nächsten Geldern. Mit Rang sechs war wiederum Franck Nivard nicht happy: „Sie machte mir am Start einen Fehler, ging anschließend hervorragend, ein Platz unter den ersten Drei war möglich.“ Bold Eagle (noch nie hatte er einen Kurs von 130:10…) fiel hingegen auf Rang zehn zurück, wird aber weiterhin versuchen, den Geldrekord von Timoko zu übertreffen. Vielleicht schaffte er das jetzt im Prix de France am 9. Februar?

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Soweit schon ein paar Reaktionen, weitere folgten bei der offiziellen Pressekonferenz. Alle sprachen von einem reellen Ergebnis, siehe im obigen Absatz die Aussagen von Ouvrie und Bazire. Meine Frage an Björn Goop war, wie er denn seine drei großen Champions beschreibt (denn man vergleicht solche Cracks ohnehin nicht): „Timoko war das große Talent, Readly Express das Kraftbündel, Face Time Bourbon besitzt den ‚point de vitesse‘, die Übersetzung der Schnelligkeit am Punkt.“ Jean-Michel Bazire konnte ich sogar eine kurze Nachdenkpause und ein verschmitztes Lächeln abringen, als ich nach dem immer wiederkehrenden Thema fragte, ob es denn nicht überlegenswert wäre, auch die besten Wallache zuzulassen. Von denen hatte er mit Aubrion du Gers bzw. hat er mit Cleangame ja die weltbesten. „Natürlich wäre es schön, die Allerbesten auch hier gegeneinander laufen zu sehen. Auf der anderen Seite steht auch der Zuchtgedanke im Vordergrund, außen Stuten eben nur Hengste antreten zu lassen. Und, ja, ich denke, dass ich heute mit Cleangame gewonnen hätte.“

Logisch, dass auch Deckhengst Ready Cash zur Sprache kam. Dieser siegte 2011 und 2012 selbst, von seinen Söhnen taten es ihm Bold Eagle (2016, 17), Readly Express (2018) und nun Face Time Bourbon gleich. Das ist mehr als außergewöhnlich. Bazire merkte an: „Wenn wir Bélina Josselyn in die Zucht nehmen, und das tun wir, wenn ich merke, dass sie keine großen Rennen mehr gewinnen kann, dann wird wohl auch sie zu Ready Cash gehen. Im Übrigen ist Face Time Bourbon der neue Bold Eagle für mich.“ Ein neuer Star ist jedenfalls endgültig geboren.

Für den Prix de France am 9. Februar erwarte ich u. a. neben Bold Eagle die beiden „Amérique“-Ersten hinter dem Auto, während Bazire mit seiner „Prima Bélina“ als nächstes Ziel den Prix de Paris wahrnehmen wird. Die Karriere beendet hat hingegen Ex-Elitloppet-Gewinner Ringostarr Treb. Interessant auch noch die Aussage von Björn Goop (43), dass ihm Sébastien Guarato gesagt hat, dass Face Time Bourbon nicht am Elitloppet teilnehmen soll. „Aber ich hoffe, dass er seine Meinung noch ändert.“

Björnschi klein

Vor einer durchaus großen rot-weiß-roten „Druckergarde“ und schon da ebenfalls sehr vielen Zuschauern insgesamt endete am Vortag Orlando Jet des Teams Neuhof im Prix du Luxembourg leider unplatziert, hatte an der Innenkante aus der zweiten Reihe nie die Chance zu entrinnen. Dafür gelang Österreichs Amateur-Champion „Hansi“ Preining im „Coupe d’Europe des Amateurs“ mit dem Norweger Jet Voice der ganz große Coup seiner Karriere! Wir werden hier darüber eine eigene Retrospektive bringen.

Gerhard Reichebner

Meinungen zum 99. Prix d’Amérique

Das Motto von heuer heißt zwar „Prix d’Amérique 1920 – 2020“, doch ist es „erst“ die 99. Auflage des Rennens, das in den Kriegsjahren 1940 und 1941 nicht ausgetragen wurde. Zur unterhalb ausführlichen Vorschau haben wir weitere Tipps eingeholt bzw. wurden uns solche zugesendet:

Foto PdA 120 Jahre

Rudolf Haller (Trabertrainer, u. a. von Orlando Jet):

Echt schwer zu tippen. Ich glaube, dass der Sieger von Jean-Michel Bazire kommt, entweder er selbst mit Bélina Josselyn, die ich vor dem Prix de Belgique nicht mehr geglaubt habe, oder Davidson du Pont. Aber ich sehe auch Bold Eagle und Excellent mit großen Chancen.

Zu Orlando Jet: Er ist wieder voll fit, und ich würde ihn im „Luxembourg“ mit sogenannten Papier-Eisen fahren. Nach dem Dienstag-Streichungstermin rangierte er in der Liste als die Nummer 15 nach Gewinnen. Damit kämen wir dran, aber es sind noch zwei gewinnärmere Pferde mit dem Vermerk „Priorität“ dabei (Anm.: Partizan Face, Caliu des Bosc). Also heißt es abwarten, erst bei der endgültigen Nennung am Donnerstag wird es sich entscheiden.

Von BTV-Seite hoffen wir natürlich, dass es sich ausgeht und drücken dann ganz fest die Daumen!

Latest News: Orlando Jet des Teams Neuhof ist fix dabei!

Wolfgang Ruth (Trabertrainer mit sehr viel Italien-, aber auch Frankreich-Erfahrung):

Meine Emotion gehört Bold Eagle, der Verstand aber Davidson du Pont, der im „Belgique“ auf den letzten paar hundert Metern geflogen ist. Face Time Bourbon kann ich mir gegen die vielen älteren Pferde ehrlich gesagt nicht als Sieger vorstellen.

Johann Scherber (Trainer-Legende und Rekord-Champion):

Davidson du Pont - Face Time Bourbon - Bélina Josselyn

Der zuletzt gezeigte Speed von Davidson du Pont im Prix de Belgique überzeugte mich schon sehr.

Thomas Kancnyr (BTV-Rennsekretär):

Davidson du Pont – Bélina Josselyn – Bold Eagle

Dieser Prix d'Amerique wird voraussichtlich durch eine Stalltaktik mitentscheiden. Ich tippe auf Davidson du Pont, der mir zuletzt fantastisch gefallen hat.

Erich Weiss (ORF-Legende und oftmaliger Live-Berichterstatter vom Prix d’Amérique):

Erich Weiss

Face Time Bourbon – Davidson du Pont – Bélina Josselyn

Vielleicht gelingt dem jüngsten Teilnehmer im Feld der ganz große Wurf – Topchance!

Daniel Stadler (Homepage-Gastautor):

Davidson du Pont - Face Time Bourbon - Délia du Pommereux - Excellent

Mein Sieger im diesjährigen PdA ist Davidson du Pont. Der Hengst beeindruckte mich schon letztes Jahr und hatte keinerlei Probleme mit der Vorbereitung, speziell die letzten 500 Meter im “Belgique”, als er mit allen Eisen antrat, lassen Großes erhoffen. – An zweiter Stelle tippe ich Face Time Bourbon, der ja schon seit langer Zeit als Vorausfavorit gehandelt wird. So ganz einfach sehe ich das aber nicht, gerade weil er noch nie auf die ganze Elite getroffen ist und dies über die 2700 Meter zeigen muss. – Dann gehe ich mit Außenseiterin Délia du Pommereux. Bekommt sie ein gutes Rennen serviert, besitzt die Stute ausreichend Speed, um am Ende viele Gegner einzusammeln. – Das große Fragezeichen ist für mich Excellent, der sich in den letzten Monaten unglaublich verbessert zeigte und mit 1:11,6 im „Ténor de Baune“ schon eine Duftmarke setzte. Gelingt es ihm, noch eine kleine Schippe draufzulegen, könnte er ebenso eine prominente Rolle spielen.

Wolfgang Patschnik (Fan mit großem Frankreich-Faible):

WP

Davidson du Pont – Bélina Josselyn – Face Time Bourbon

Als Vorjahrssiegerin und Gewinnerin des "Belgique" ist mit Bélina Josselyn zu rechnen. Aber Face Time Bourbon und Davidson du Pont werden mit Sicherheit kräftig dagegenhalten. Es wird sehr spannend!

Prix d’Amérique 1920 – 2020: Was für ein Gänsehaut-Ereignis!

Natürlich scheiden sich die Geister. Was ist das „bessere“ Rennen – der Prix d’Amérique (als Nostalgiker bleibe ich beim traditionellen Namen und lasse das „Grand“ weg) oder der Elitloppet? Beide sind sie natürlich die herausragenden Traber-Ereignisse Europas. Jugendlicher – auch vom Format, der Strecke, der Übersichtlichkeit der Bahn und der Jahreszeit hergesehen – erscheint vielleicht das schwedische Aushängeschild. Die Tradition, gepaart mit dem besonderen Charme von Paris, gehört aber dem französischen „Rennen der Rennen“ über 2.700 Meter. Freilich wurden auch auf dem Plateau de Gravelle längst viele Annehmlichkeiten geschaffen, und die Bedingungen für die Pferde sind auch grandios. Dass der Rennrekord mittlerweile bei 1:11,2 (Bold Eagle/ 2017, Readly Express/ 2018) liegt, ist alleine Merkmal dafür. Man kann hier immer viele Besonderheiten hineininterpretieren, aber die Edition 2020 birgt schon sehr viel Gesprächsstoff in sich:

1280px Hippodrome de Vincennes 1920 Das ist Pro Patria, der PdA-Sieger von 1920

Erstmals seit 2016 (Bold Eagle) geht das jüngste Pferd, der fünfjährige Face Time Bourbon, als Favorit ins Rennen. Kann er ihn, wie damals der „Adler“, auch gewinnen? Sehr selten kommt es auch vor, dass zwei Geschwister (Délia du Pommereux, Enino du Pommereux) am Start stehen. Und dass mehr als eine Million an Gewinnen möglicherweise nicht für die Antrittsberechtigung ausreicht, spricht für die Klasse der Beteiligten. Wer sind nun die 18 Protagonisten, und wie schätzen wir sie ein? Zwölf Teilnehmer stehen aufgrund der Quali-Bewerbe fest, das restliche Sextett setzt sich aus den Pferden mit den meisten individuellen Preisgeldern zusammen. Zunächst die 12 Fixstarter, alphabetisch gereiht, dazu meine persönliche Einschätzung:

Bahia Quesnot: Die Stute von Junior Guelpa tauchte im Vorjahr kometenhaft in der Elite auf, bestätigte dies mit vielen guten Leistungen während des Jahres und qualifizierte sich als Zweite des „Bourgogne“ trotz zweiter Reihe. Trotzdem natürlich Außenseiterin.
Bélina Josselyn: Der Titelverteidigerin ließ Jean-Michel Bazire nach einer Verletzung ewig Zeit – ehrlich gesagt, ich zweifelte bereits. Aber die Vorstellung beim Sieg im „Belgique“ war hervorragend, der „Maître“ ist ein zusätzlicher Garant und „Prima Bélina“ damit Co-Favoritin.
Billie de Montfort: Noch vor Bold Eagle eine weitere Vertreterin des grandiosen „B“-Jahrgangs von 2011. Mit ihrem Geld hätte sie ohnehin kein Problem gehabt, antreten zu dürfen, ihr dritter Platz im „Bourbonnais“ und ihr toller Sieg im „Bourgogne“ haben die „Europa-Reisende“ aber weit nach vorne in die Reihe der Platz-Kandidaten gehievt.
Bold Eagle: Der Ehrenplatz im „Bourbonnais“ bedeutete die frühe offizielle Qualifikation, nur Platz fünf im „Bourgogne“ dann vermeintlich einen Rückschlag. Aber Trainer-Fuchs Sébastien Guarato hatte den zweifachen PdA-Triumphator mit schweren Eisen versehen und ihm danach etwas Regeneration gegönnt. Unglaublich, wie oft „Boldie“ schon „auferstanden“ ist, wie auch sein Erfolg Ende Oktober auf Woodbine gezeigt hat. Ich glaube, dass seine Umgebung vor allem noch auf den absoluten Geldrekord (gehalten von Timoko) aus ist, den ein vierter Platz bringen würde. Dieser ist sicher möglich, bei einem optimalen Verlauf auch mehr? Champion Eric Raffin kann das realisieren, trotzdem ist ein Sieg schwer vorstellbar!
Chica de Joudes: Nach ihrem Ehrenplatz im „Bretagne“ zum Auftakt der Quali-Rennen habe ich von ihr geschwärmt und wurde bei einem Sieg Ende Dezember in einer „kleineren“ Prüfung bestätigt. Aber die jüngste Enttäuschung (nur Platz sieben im Prix du Fôrez) und die sich nicht ändernden weiten Wege, die ihr von „Oldboy“ Alain Laurent aufgezwungen werden, machten aus dem Geheimtipp eine klare Außenseiterin.
Davidson du Pont: Sicherer Sieger im „Bretagne“, dann einige Male „Spazieren geführt“, aber im „Belgique“ – trotz aller vier Eisen an den Hufen – mit mächtigem Speed zu Platz drei geflogen. Der Vorjahrs-Vierte ist bestimmt ein gefährlicher Herausforderer von Face Time Bourbon und Bélina Josselyn!
Délia du Pommereux: Als Gewinnerin des „Bourbonnais“ und Fünfte des „Belgique“ muss man sie zu den Geld-Kandidatinnen rechnen. Zu mehr trotzdem nicht, auch wenn Catchdriver Franck Nivard jeden Zentimeter des Kurses und alle Facetten dieses besonderen Rennens kennt.
Enino du Pommereux: Der um ein Jahr jüngere Bruder von „Délia“ (aus der Noune du Pommereux) verpasste zunächst als Zweiter des Prix Ténor de Baune die fixe Quali, holte diese am „letzten Drücker“ aber mit dem Ehrenplatz im „Belgique“ nach. Ein sympathisches Pferd, aber Außenseiter.
Excellent: Der Name war Programm beim überlegenen Erfolg im Prix Ténor de Baune (Sieger 2018: Looking Superb…). Dann sprang der Newcomer im „Belgique“ schon am Start, so dass eine Einschätzung daraus nicht möglich war. Das Abrivard-Familienpferd hat bei gutem Verlauf sicher das Potenzial auf eine Prämie.
Face Time Bourbon: Der Fünfjährige kennt praktisch nur Siege, so war auch die Fix-Qualifikation mit dem Triumph im Critérium Continental kaum mehr als eine Pflichtübung. Das geschah vor Weihnachten, auf einen weiteren Start wurde verzichtet. Der „Beute-Italiener“ ist das jüngste Pferd im Rennen und wird es – davon gehe ich aus – als Toto-Favorit bestreiten. Seine Klasse ist also unbestritten, aber noch nie hat er eine derart geballte Ladung älterer Cracks angetroffen. Dieser Umstand ist das einzige Fragezeichen, bestimmt nicht Catchdriver Björn Goop, der sich früh auf ihn festgelegt hatte. Vielleicht ist es ein Omen, dass den allerersten Prix d’Amérique vor exakt 100 Jahren ein Fünfjähriger (Pro Patria) gewann? In den 2000er-Jahren schafften es aber nur Offshore Dream (2007) und Bold Eagle (2016) – beide zuvor ebenfalls Gewinner des Critérium Continental…
Looking Superb: Der Vorjahrs-Zweite schaffte die Qualifikation haarscharf als Dritter des frühen „Bretagne“, brauchte dies als „ärmeres“ Pferd auch. Danach wurde auch ihm nach dem Bazire-Prinzip bloß die Bahn gezeigt, doch schob er sich der Norweger mit Rang siegen im „Belgique“ wieder etwas ins Blickfeld. Wieso werde ich aber nicht das Gefühl los, dass er diesmal schwere Arbeit für Bélina Josselyn oder Davidson du Pont verrichten wird müssen?
Vivid Wise As: Sehr guter Speed-Dritter im „Bourgogne“ trotz zweiter Reihe und eine wichtige Verstärkung im Feld für den Stallgefährten Face Time Bourbon – dies wird auch die vordringlichste Aufgabe für den Italiener sein.

Mein konservativer Tipp lautet daher: Face Time Bourbon – Bélina Josselyn – Davidson du Pont – Bold Eagle

Dieser Tipp wird sich auch aufgrund der weiteren sechs Teilnehmer nicht ändern. Aber welcher der „Geldschränke“ kommt an die Reihe? Hier die Auflistung der Kandidaten nach Gewinnsummen:
1) Propulsion (3.138.059,- Euro): Zwischen 2017 und 2019 schon dreimal im „Amérique“ platziert gelaufen (4., 3., 5.), im September in Vincennes Sieger des „Masters“ – der Amerikaner liebt das Geläuf durchaus. Absolvierte aber nur ein Vorbereitungsrennen seither, ein leichter Sieg in der schwedischen Golddivision Ende Dezember, was jedoch zu wenig sein könnte. Diesmal vielleicht Sechster?
2) Ringostarr Treb (1.648.631,-): Erschien etwas überraschend zum „Bourgogne“, sprang dort ausgangs des Schlussbogens weg. Trainer Jerry Riordan erklärte vor einem Monat für den ehemaligen Elitloppet-Sieger den „Amérique“ aber als Ziel. Ein Antreten im „Amérique“ wohlgemerkt, „mehr“ wird nicht drinnen sein.
3) Valko Jénilat (1.303.915,-): Er könnte der Erste sein, der die Möglichkeit wahrnimmt, auch als Elfjähriger anzutreten. Zweimal war er schon (unplatziert) dabei, ist seit dem Sensationssieg im Juli über Aubrion du Gers, Billie de Montfort und Bold Eagle (in La Capelle) aber nicht mehr überzeugend gelaufen, seit Ende Oktober überhaupt nicht mehr. Wird er vielleicht als taktische Maßnahme von Trainer Sébastien Guarato aufgeboten?
4) Uza Josselyn (1.274.678,-): Die im dänischen Geburtsregister eingetragene „Schweizerin“ französischer Provenienz ist ein Muster an Ehrlichkeit. Beispiele: Siebente im vorjährigen „Amérique“, Zweite im Prix de France 2019, in den letzten drei „B“-Vorprüfungen immer im Geld. Und dieses Geld geht sich auf jeden Fall für einen Startplatz aus, den sie zu 100% wahrnehmen wird, um abermals im Spitzenfeld einlangen zu können.
5) Vitruvio (1.193.320,-): Der Italiener hielt sich in „Bourbonnais“ (9.) und „Ténor de Baune“ (4.) nicht übel und wird wohl dabei sein, wenn es Alessandro Gocciadoro möchte. Dann freilich nur als krasser Außenseiter.
6) Milligan’s School (1.136.342,-): Der Amerikaner aus der Schatzkiste von „Tarzan“ Melander wurde immer wieder als möglicher Teilnehmer genannt, war in Vincennes im September im „Masters“ nur Sechster und in einer Vorprüfung vorgenannt (dann aber nicht im Feld). Nach Geld ginge sich ein Start, der unplatziert enden würde, aus.
7) Erminig d’Oliverie (996.790,-/ erhält als 6jährige 10% ihrer Gewinnsumme dazugerechnet, das ergibt: 1.096.469,-): War in den Vorprüfungen unglücklich, vor allem, als ihr Davidson du Pont den dritten Platz im „Belgique“ mit dem letzten Schritt grapschte. Die Regelung der „plus 10% fürs Alter“ hievt sie aber vielleicht trotzdem ins Feld (der Außenseiter).
8) Carat Williams (1.072.989,-): Bereits zweimaliger Teilnehmer (2018, 19), im Vorjahr Dritter im Prix de Paris, zuletzt u. a. im „Bourgogne“ Sechster. Der Supersteher wäre auch bei seinem dritten „Amérique“ nur klarer Außenseiter.
9) Dijon (1.054.762,-): Wurde in seiner Karriere sehr viel im Ausland eingesetzt und 2019 mit seinem Triumph im Elitloppet zum Millionär. Lief im „Belgique“ unplatziert und sitzt für das 18er-Feld wie Carat Williams am „Schleuderstuhl“.
10) Tony Gio (883.865,-): Der Italiener schrammte im „Bretagne“ mit Platz vier knapp an der Quali vorbei. Für den Stallgefährten von Face Time Bourbon & Vivid Wise As wird es sich wohl nicht ausgehen, auch wenn man im Vorjahr mit weniger Geld einen Startplatz erhalten hätte.

Ich rechne zum fix qualifizierten Dutzend mit: Propulsion, Ringostarr Treb, Uza Josselyn, Vitruvio, Erminig d’Oliverie und Carat Williams. Die beiden Letzten sind jedoch durch Valko Jénilat und Milligan’s School „gefährdet“.

Gerhard Reichebner

Fahrplan zum Prix d’Amérique/ VI (und Ende): Bélina Josselyn

Ehrlich gesagt, ich war nach den bisherigen Vorprüfungen skeptisch, doch „Maître“ Jean-Michel Bazire hat mich wieder einmal eines Besseren belehrt. Aber optimistische Wortmeldungen im Vorfeld von ihm sowie das Abnehmen der Eisen vorne – und die „Turfistes“ wetteten Bélina Josselyn im Prix de Belgique, der vierten und letzten „B“-Vorprüfung auf den „Amérique“ und wie die bisherigen mit 110.000,- Euro dotiert, sogleich zur 35:10-Favoritin herunter. Zu Recht: Bazire machte tatsächlich ernst und eine topfitte „Prima Bélina“ machte das Spiel mit.

Wie zumeist vorsichtig in die Partie gebracht, verbesserte Bazire seine „Ballerina“ vor allem am Berg, tauchte schon im Schlussbogen halbversetzt hinter Pacemaker Enino du Pommereux (Matthieu Abrivard) und Detroit Castelets auf und zog in phantastischem Rennrekord von 1:12,6/ 2850 durch. Mit Bélina Josselyn qualifizierte sich damit auch der ebenfalls starke „Enino“ fix für das große Ereignis am letzten Jänner-Sonntag – im Gegensatz zur „reichen“ Titelverteidigerin benötigte er aber diesen Platz am „Stockerl“ unbedingt. Apropos stark: Noch schneller als die Siegerin absolvierte Davidson du Pont (Franck Ouvrie) den Schlussabschnitt, um damit der unglücklichen Erminig d’Oliverie (Adrien Lamy) das „Amérique“-Ticket wegzuschnappen, ohne es selbst als „Bretagne“-Gewinner nötig zu haben. Dabei trat Davidson du Pont ebenso wie der im Finish ebenfalls schnelle, vorjährige „Amérique“-Zweite Looking Superb (6./ Alexandre Abrivard) mit allen vier Eisen an. Also doch wieder „Alles Bazire“!? Es war jedenfalls zumindest eine große Kampfansage an Face Time Bourbon. 

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Womit wir nun 12 Fixstarter für den Prix d’Amérique am Sonntag, 26. Jänner, wissen:


Aus dem Prix de Bretagne: Davidson du Pont, Chica de Joudes (die übrigens am Samstag im Prix du Forez als Siebente schwer enttäuschte), Looking Superb


Aus dem Prix du Bourbonnais: Délia du Pommereux (diesmal wieder gute Fünfte), Bold Eagle, Billie de Montfort


Aus dem Prix de Bourgogne: Bahia Quesnot, Vivid Wise As


Aus dem Prix de Belgique: Bélina Josselyn, Enino du Pommereux


Aus dem Critérium Continental: Face Time Bourbon


Aus dem Prix Ténor de Baune: Excellent


Welches Sextett noch dazukommen könnte und wie denn unsere Chancen-Bewertung ausfällt, lesen Sie nächste Woche an dieser Stelle. Gerne nehmen wir Ihre/ Eure Tipps dazu, wenn diese rechtzeitig unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. einlangen!

 Gerhard Reichebner

Orlando Jet: Der "Luxembourg" wackelt doppelt

Mit einigen Erwartungen war Team Neuhofs Orlando Jet am vergangenen Sonntag, 5. Jänner, nach drei vierten Plätzen in Paris-Vincennes in den dortigen Prix de Lille gezogen und wurde auch am Toto als chancenreiches Platz-Pferd gehandelt. Dass er quasi in letzter Sekunde doch noch erste Startreihe erhielt, erwies sich jedoch als ungünstig, zumal es mit der „7“ eine eher äußere Nummer wurde.

Rudi Haller riskierte dahOrlando Jeter sehr viel und schickte der nunmehr zweimaligen „Deutschen Traber des Jahres“ in einem 04er-Tempo (!) an die Spitze, wurde die gesamte Senke hinunter nur wenig langsamer und konnte die Pace erst bei Erreichen des Bogens von Joinville etwas beruhigen. Dann tauchte am Berg zudem Jean-Michel Bazire bald mit Top-Favorit Dorgos de Guez auf und übernahm noch vor Erreichen des Schlussbogens auch das Kommando, siegte übrigens dank 1:11,2a/ 2100 sicher vor dem Trainingsgefährten Colonel. „In diesem Moment verlor Orlando Jet ein bisschen den Gang, was eigentlich nicht passieren hätte dürfen“, meinte Haller dazu, der die Bahn am Sonntag außerdem als ungewöhnlich hart konstatierte. Der Fehler eingangs der Zielgeraden war dann nur die Folge davon, „immerhin konnte ich beim Umdrehen und Zurückkehren in den Stall keine negativen Anzeichen bei ihm erkennen“, so Haller.

Orlando Jet wird jetzt einem intensiven tierärztlichen Check unterzogen. Gibt es keine Auffälligkeiten, so bleibt der Prix de Luxembourg am Vortag des „Amérique“ im Visier. Jedoch: Im Gegensatz zum Vorjahr, als gewinnärmere Pferde an die Reihe kamen, könnte es heuer mit den 389.651,- Euro eng werden, da man mit 700 – 800.000,- Euro heuer wohl kaum in den Prix d’Amérique kommt. Dann bliebe für Cracks wie Enino du Pommereux etc. (falls sie es nicht doch noch über den Prix de Belgique schaffen) nur der „Luxembourg“ übrig, der bis exakt 800.000,- offen ist, aber nur über 15 Startplätze verfügt.

Wir bleiben natürlich dran und werden Euch auf dem Laufenden halten.


Gerhard Reichebner

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Österreichs Nachwuchs-Traberszene befindet sich zweifelsohne im Aufwind. Zahlreiche Talente haben sich in den vergangenen Jahren aus ihren Anfängen bei den Minitrabern zu echten Champions entwickelt bzw. befinden sich am besten Wege einmal ganz oben in den Jahresrankings zu stehen. Bestes Beispiel ist aktuell die neue Staatsmeisterin bei den Amazonen, Lisa-Marie Weil, die heuer die regierende Championesse Nadja Reisenbauer nach einem spannenden Finish überflügelte. Beide haben aber ihre Traberwurzeln nicht nur dem Mini Traber Team Austria zu verdanken.

Lisa-Marie Weil ist die Tochter des ehemaligen Spitzen-Amateurs und seit vielen Jahren erfolgreichen Pongauers Walter Kössner, einst selbst Traber-Derby-Sieger 1995 mit Super Joie und aktueller Mitbetreiber des Gestüts Pongau in Tenneck (Sbg.) und hat ihre sportliche aktive Karriere bei den Minitrabern begonnen. Ihren ersten Einsatz auf TSK-Ebene hatte sie am 5. März 2017, seither hat sie insgesamt 88 Rennen bestritten und 11 davon erfolgreich absolviert. Sie blieb heuer knapp vor Nadja Reisenbauer, Tochter des BTV Rennleitungsobmann-Stellvertreters und Gründer des Mini-Traber-Team Austria Christian Steinmeyer, selbst ein Traber-Insider und erfolgreicher Amateurfahrer („Beat the Wind“). So wie die beiden genannten Young-Ladys zieren aber auch noch andere Namen die aktuellen Starter- und Ergebnislisten. Allen voran natürlich der Tiroler Christoph Fischer, der seit einigen Saison zu den besten Profis des Landes zu zählen ist und ebenfalls im MTTA-Sulky seine sportlichen Anfänge absolvierte.

TrabernachwuchsSchon vor einigen Saisonen vereint, heute ein Teil der TSK-Damen-Gilde: Jennifer Getzinger, Nici Buijs, Sophie Schrempf, Katharina Kancnyr, Lisa Dankl und Lisa-Marie Weil (v.l.n.r.).

Weitere Amateure wie die Gebrüder Rupert und Martin Schwaiger, das talentierte Girl-Trio Jennifer Getzinger, Sabrina Bruckner und Katharina Kancnyr haben ebenso schon Ehrenunden in ihren TSK-Bewerben drehen dürfen und die nächste Generation mit Stefanie Mayr, Leon Schwarzbraun oder Raphael Preining stehen als vielfache MTTA-Lauf bzw. Gesamtsieger schon praktisch ante portas. Auch bei ihren fällt der Apfel bekanntlich nicht weit vom Stamm …

 

 

 

 

 

Thomas Kancnyr

Badener Trainingsgeläuf in den Wintermonaten top – viele Sieger!

Gestalteten sich die Trainingsbedingungen in früheren Saisonen außerhalb der Rennsaison oft problematisch, so erntet das Badener Geläuf gerade in den letzten Monaten sehr viel Lob. Den Aktiven kommt natürlich der viel mildere Winter als noch vor etlichen Jahren entgegen, aber auch der Gesamtzustand des 1000-Meter-Ovals und dessen Betreuung durch den BTV bzw. die Bahnbeauftragen haben sich stark verbessert.

So kamen in den letzten 5 Wochen nicht weniger als sechs Sieger aus dem Badener Trainingsquartier! Für Martin Redl punktete die tolle Dreijährige Atalanta, am 24. 11. und in Summe gleich dreimal hintereinander, sowie auch mit der wieder erstarkten Contessa Venus (1. 12.) siegte der Wahl-Badener.

Aus der NÖ-Dependance von Trainer-Legende Albert Plschek gewannen Pure Dream Venus (ebenfalls am 1. 12.) bzw. Meydan (6. 12./ beide mit dem in Hochform fahrenden Erich Kubes). Und last but not least wurden auch die beiden Gewinner aus dem Lot von Heinz Blaha am Weihnachts-Renntag (22. 12.), Arizona DR (Erich Handlos) und Royal Crown Venus (Amateur Franz Floh), am Badener Trabrennplatz vorbereitet. Royal Crown Venus tankte dabei scheinbar viel Motivation bei der fröhlichen Stall-Weihnachtsfeier zwei Tage davor…

Bereits vorausblickend für die Saison 2020 erhoffen sich sowohl Veranstalter als auch Aktive, dass die Biedermeier-Bahn ihren Top-Zustand beibehalten kann, saisonale Grader-Arbeiten – vor allem in den beiden Bögen – sollten schon beim Saisonauftakt am 31. Mai zusätzlich zur idealen Linienführung beitragen.

Thomas Kancnyr

Fahrplan zum Prix d’Amérique/ V: Billie de Montfort

Vorweg: Billie de Montfort hatte sich durch ihren dritten Platz im „Bourbonnais“ bereits offiziell für den Prix d’Amérique 2020 qualifiziert, wäre als „doppelte Millionärin“ dort aber sowieso in jedem Fall an die Reihe gekommen. Die großartige Vertreterin des kapitalen französischen Jahrgangs 2011 hatte es gegen Altersgefährten wie Bold Eagle, Bird Parker, Belina Josselyn etc. naturgemäß nie leicht, holte sich mit dem Critérium des Jeunes dennoch eine Gruppe-I-Prüfung in Vincennes, dazu unzählige Platzierungen, Siege in Gruppe-II-Bewerben und tauchte siegreich in ganz Europa auf, angefangen 2015 in Stockholm und Oslo. Nun absolvierte sie im Prix de Bourgogne (110.000 Euro), der dritten „B“-Vorprüfung auf das große Rennen, exakt ihren 100. Lebensstart (!) und triumphierte unter der blendenden Regie von Gabriele Gelormini in 1:10,6a/ 2100 sogar sehr sicher.

Billie de Montfort

Es war jedenfalls ein absolut reeller Sieg in feinem Stil aus guter Position heraus, genauso wie Bahia Quesnot (Junior Guelpa) und Vivid Wise As (Björn Goop) aus der zweiten Reihe bei ihren Schluss-Akkorden eine tolle Leistung boten. Die Stute wird damit wie 2019 im „Amérique“ dabei sein, der Italiener kann dann womöglich seinen Stallgefährten Face Time Bourbon unterstützen und kommt gleichzeitig nicht Team Neuhofs Orlando Jet für den „Luxembourg“ in die Quere. Ansonsten war’s aber einmal mehr eine irgendwie eigenartige Vorprüfung.

So schickte Jean-Michel Bazire frühzeitig seine Soldaten aus, um an der Spitze Unruhe zu stiften: Calaska du Guez und Valokaja Hindo endeten prompt am Ende des Feldes, von Davidson du Pont war ohnehin nur eine „Spazierfahrt“ zu erwarten, nur Looking Superb fiel im Finish auf Platz sieben positiv auf. Und Belina Josselyn des „Maître“ selbst? Die PdA-Titelverteidigerin ging abermals mau – ich kann sie mir, ehrlich gesagt, am letzten Jänner-Sonntag nicht nochmals vorstellen, auch wenn sie dann von allen vier Eisen befreit sein wird.

Aber es dürfte die Bazire-Armada doch vor allem Bold Eagle zugesetzt haben. Der musste bei hohem Tempo in der Spitzengruppe schon früh tätig werden, übernahm Ende des Berges auch die Spitze, sah im Schlussbogen zwar mehr als versprechend aus, ging im langen Einlauf als finaler Fünfter aber ziemlich unter und konnte seinen Vorjahrssieg im „Bourgogne“ nicht wiederholen. Zweifellos ein gewisser Rückschlag für seine vielen Fans, wenngleich Trainer Sébastien Guarato relativierte: „Wir haben ihn mit vier ziemlich schweren Eisen versehen, das war also mit dem Verlauf keineswegs schlecht. Er wird zum Prix d’Amérique top in Form sein.“ Mit den erzielten 5.500,- Euro kam „Boldie“ dem Rekord-Preisgeldträger Timoko (5.006.731,- Euro) immerhin auf 50.114,- Euro nahe. Das zu schaffen, wird vor allem noch ein großes Ziel seiner Umgebung sein. Ob’s für einen dritten „Amérique“-Sieg reicht, ist sicher fraglich.

Damit sind 10 Teilnehmer für das große Fest „100 Jahre Prix d’Amérique“ (1920 – 2020) fix qualifiziert:

Davidson du Pont, Chica de Joudes (die übrigens am Samstag in Vincennes ein „kleineres“ Rennen in gutem Stil gewann), Looking Superb (aus dem „Bretagne“), Délia du Pommereux, Bold Eagle, Billie de Montfort (aus dem „Bourbonnais“), Excellent (Sieger „Ténor de Baune“), Face Time Bourbon (Sieger Critérium Continental), Bahia Quesnot und Vivid Wise As (als Platzierte zu Billie de Montfort nun im „Bourgogne“).

Die letzte Gelegenheit zur Qualifikation bietet sich mit dem Prix de Belgique am Sonntag, 12. Jänner. Wir wollen hier aber davor einen Blick auf die „Geldschränke“ werfen, für die es – je weiter es mit der individuellen Gewinnsumme nach unten geht – jedoch „eng“ werden könnte, wenn sich in der letzten „B“-Vorprüfung“ drei „Underdogs“ fix qualifizieren würden. Dann blieben nämlich nur noch 5 Plätze für:

Belina Josselyn, Propulsion (siegte nach Pause am Samstag, 27. Dezember, in der Golddivision von Romme mit Örjan Kihlström in 1:14,4a/ 2640 locker gegen leichte Gegner/ Trainer Daniel Redén bezeichnete davor sein Antreten in Paris mit 50:50), Ringostarr Treb (den man kaum erwartet hätte, den Trainer Jerry Riordan sichtlich unbedingt aufbieten will/ im „Bourgogne“ sprang er in der Spitzengruppe bei Erreichen der Zielgeraden weg), Uza Josselyn (diesmal im „Bourgogne“ sehr gut endende Vierte), Carat Williams (knapp hinter Bold Eagle Sechster), die italienisch abstammenden Traders und Vitruvio oder eine Erminig d’Oliverie, die auch fast eine Mille am Konto hat.

Gerhard Reichebner

Fahrplan zum Prix d’Amérique III und IV: Excellent & Face Time Bourbon

Zwei Tage vor dem Heiligen Abend gab es am Sonntag, 22. Dezember, noch reichliche Bescherung für die „Turfistes“: Zweimal ging es am Nachmittag auf dem Plateau de Gravelle bei einem 9-Rennen-Programm um 200.000 Euro, einmal um 100.000. Die großen Klassiker leitete dabei der Prix de Vincennes der 3j. Satteltraber ein, den sich 71:10-Chance Gangster du Wallon unter dem bei uns wenig bekannten Benjamin Rochard mit dem klar stärkeren Finish gegenüber Favoritin Grace de Fael holte.

Dann aber ging es um die nächsten beiden Tickets für den Prix d’Amérique, den der Prix Ténor de Baune (für 5j.) und das klassische Critérium Continental (f. 4j.) bereithielten. Die um ein Jahr Älteren eröffneten, und der Name des Siegers war Programm: Excellent! Alexandre Abrivard beförderte das Familienpferd Mitte des Berges wuchtig an dem vor ihm co-favorisierten Enino du Pommereux und am führenden Italiener Vitruvio vorbei in Front um fuhr dank starker 1:11,6 über die PdA-Distanz von 2700 Metern locker nach Hause. Laurent Claude Abrivard, Trainer/ Züchter/ und überhaupt alles für Excellent, erklärte anschließend, dass er den Prix d’Amérique natürlich wahrnehmen wird. Ich meine: Mit dieser Form kann er eine Rolle wie der vorjährige Ténor-de-Baune-Gewinner spielen. Dies war – Looking Superb, später bekanntlich Zweiter im „Rennen der Rennen“…

Excellent Siegerehrung Große Freude beim Team Abrivard nach der Gala-Vorstellung von Excellent

Zwei Rennen darauf bestätigte im „Continental“ der Vorausfavorit auf den Prix d’Amérique seine Anwartschaft eindrucksvoll: Face Time Bourbon! Zwar war der 14:10-Topfavorit unterwegs ein wenig „blockiert“, erhielt in dritter Spur am Berg aber durch den Stallgefährten Follow You einen „Buckel“ und wurde von Björn Goop im Schlussbogen eingesetzt. Da sah der mütterlicherseits mit reichlichen österreichischen Wurzeln ausgestattete Campo Bahia (Conrad Lugauer), der vom Fleck weg den Ton angab, fast noch wie ein Gegner aus, doch sprang der Schwede bei Erreichen der Zielgeraden rettungslos weg.

Keine Frage, Face Time Bourbon hätte auch ohne dessen Break gewonnen, so musste er in neuer individueller Bestzeit von 1:10,6a/ 2100 prinzipiell nur austrudeln. Goop verzog kaum eine Miene, nur der rechte Daumen ging bei der Zieldurchfahrt in Richtung Besitzer und Trainer hoch. „FTB“ hätte diese „wild card“ angesichts seiner Gewinnsumme (1,068.550 Euro) gar nicht nötig, aber das Rennen war natürlich die endgültige Bestätigung: „Naturellement, wir gehen in den Prix d’Amérique“, wie es Trainer Sébastien Guarato ohne Drumherumreden sagte. Er wird am letzten Jänner-Sonntag als Fünfjähriger das jüngste Pferd im Rennen sein, was aber die einzige Einschränkung an seinem Status darstellt: Face Time Bourbon wird als Favorit starten.

 Face Time Bourbon In Zielnähe bereits klar vor seinen Verfolgern: Face Time Bourbon

Damit sind nach zwei von vier „B“-Vorprüfungen und den beiden Wild-Card-Bewerben acht Teilnehmer fix qualifiziert: Davidson du Pont, Chica de Joudes, Looking Superb (aus dem Prix de Bretagne), Délia du Pommereux, Bold Eagle, Billie de Montfort („Bourbonnais“), Excellent („Ténor de Baune“) und Face Time Bourbon („Continental“).

Die nächsten drei Tickets werden am Sonntag, dem 29. Dezember, im Prix de Bourgogne vergeben. Weitere drei natürlich nur dann, wenn sich unter den ersten Drei nicht bereits eines der soeben genannten Pferde befindet.

Gerhard Reichebner

Es darf weiter “geträumt” werden

Speziell in den letzten Jahren ist eine Entwicklung im französischen Trabrennsport nicht zu übersehen: Viele ausländische Besitzer entschieden sich, ihre talentierten Pferde zu Jean-Michel Bazire zu stellen - mit Erfolg. Ein ums andere Mal schafft es der “Meister”, die neuen Schützlinge auf ein nächstes Level zu bringen und sogar an den größten Rennen zu partizipieren. Looking Superb etwa, aus Norwegen gekommen, spielte an jenem letzten Sonntag im Jänner 2019 eine tragende Rolle und zeigt sein Können weiterhin in der Elite-Klasse.

Doch nicht nur aus Norwegen oder Italien kommen die Besitzer auf “JMB” zu, auch aus Deutschland gibt es Vertreter, die aktuell für Furore sorgen. Wie in der Headline schon kurz angekündigt, geht es dabei um den sechsjährigen Dreambreaker, im Besitz des Stalles Oberkracher, der nach einer längeren Pause den Weg wieder auf die Siegerstraße zurückfand. Bereits im Sommer 2018 stellte sich der kleine Wallach mit dem eigenwilligen Charakter erstmals in Vincennes vor. Binnen weniger Wochen startete er eine Siegesserie und stürmte förmlich durch die Gewinnklassen, sodass er sich früh in Gruppe III-Prüfungen wagte. Nun ist der Offshore-Dream-Sohn bei rund 360.000,- Euro Gewinnsumme angelangt und wurde, wie man es von Bazire gewohnt ist, speziell für das Pariser Winter-Meeting vorbereitet. Die ersten Starts nach der Pause ließ man ruhig angehen, dennoch warfen die letzten Vorstellungen einige Fragen auf. Speziell der Start in einer Monté-Prüfung war wenig glücklich und Mitte des “Berges” auch schon wieder beendet. Danach bot Bazire seinen Schützling aber rundum “barfuß” auf, eine gewaltige Steigerung war die Folge und machte wieder Lust auf mehr. Vergangene Woche saß der Chef dann wieder höchstpersönlich im Sulky, und prompt war auch das Vertrauen der “turfistes” wieder da. Mit 17:10 als Ultra-Favorit gestartet, bewies der Oberkracher-Schützling, dass er ein solcher werden könnte und ließ die Konkurrenz in 1:12,2 über 2100 Meter Autostart förmlich stehen.

Gut möglich, dass eine der nächsten Aufgaben ausgerechnet der Prix de Luxembourg sein könnte, indem auch ein gewisser Orlando Jet (siehe Artikel weiter unten) voraussichtlich am Ablauf sein wird. Die beiden Deutschen kreuzten im Jahrgang schon oft ihre Klingen, wobei Dreambreaker zumeist das Nachsehen hatte. Wie die aktuellen Kräfteverhältnisse aussehen, wäre für den deutschsprachigen Traberfan sicher interessant zu beobachten.

Eric Raffin Eric Raffin - der designierte Champion in Frankreich

Das Meeting an sich verläuft für den 20-fachen Champion Jean-Michel Bazire einmal mehr fast makellos. Einzig seine beiden Sperren hindern den 48-jährigen aus Le Mans an einer noch besseren Bilanz. Seine aktuelle Sperre erhielt er für eine Stallorder, wie man sie sonst nur aus dem Motorsport kennt. Im Schlussbogen gab er David Thomain ein klares Zeichen zum Angriff mit einer Stallgefährtin (die prompt gewann) und wurde deshalb zurecht sanktioniert. Für den „Maître“ wohl aber zweitrangig, schließlich ist das Championat zugunsten von Eric Raffin (Foto) bereits entschieden und auch Sohn Nicolas soll immer mehr die große Bühne betreten. Für den neuen “sulky d’or”, Eric Raffin, geht es in den kommenden Wochen noch um den absoluten Sieg-Rekord. Dieser wird gehalten von “JMB”, ist aktuell noch in Reichweite und könnte Raffin ein tolles Jahr extra vergolden.

Daniel Stadler

Die schnellste Beginnerin Österreichs

Dem Traberfan wird die Stute Zante Laser natürlich ein Begriff sein. Nicht nur aufgrund der österreichischen Besitzer ist die Italo-Stute mit großem Potenzial bekannt, sie wird nun in Österreich für weitere Aufgaben vorbereitet und hat zwei Starts in der Wiener Krieau rund um den Jahreswechsel im Visier. Wie der aktuelle Zustand der Stute ist und was die weiteren Pläne sind, erklärt Mit-Besitzer und Betreuer Wolfgang Ruth.

Wolfgang Ruth ist für seine guten Kontakte zur Traberszene in Italien bekannt und landete mit seinem Team vor gut drei Jahren wieder einmal einen echten Volltreffer. Die Jährlingsstute Zante Laser, von Prix-d’Amerique-Sieger Maharajah aus der India di Jesolo (v. Toss Out/ 20 Siege) abstammend, wurde bei der Mailänder Jährlingsauktion auffällig und vom Besitzer-Team Gokesch/Ruth/Ruiner/Herbatschek erworben. Schnell wurde klar, dass die Stute nicht nur besonderes Laufvermögen besitzt, sondern auch den Charakter der Mutter mitbekommen hat. “Sie ist eine Art Wundertüte, man kann keine klaren Prognosen mit ihr erstellen”, äußert sich Wolfgang Ruth zu seiner Stute.

Dennoch verliefen die ersten Starts fast durchgehend positiv. Mittlerweile stehen sieben Siege in der Vita von Zante Laser. Den größten Teil der 49.000 Euro an Preisgeldern holte sie sich die in einem Gruppe-III-Bewerb in Neapel, als sie in ihrer Bestmarke von 1:12,1 über 1600 Meter überlegen reüssierte. Im Mutterland der schnellen Beginner sticht die Antrittsschnelligkeit von Zante Laser auch auf höherem Niveau heraus. “Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in Österreich ein schnelleres Pferd hinter dem Auto gibt”, macht Ruth die Schnelligkeit seiner Stute deutlich.

Über die Saison 2019 bestritt “Zante” einige Rennen auf höchster Stufe in Italien und verkaufte sich dabei trotz der aufkommenden gesundheitlichen Probleme prächtig. Im Frühling wurden diese aber immer größer und man entschied sich für eine Pause über den Sommer. Seit Mai gab man der Stute nun Zeit, sich voll zu regenerieren, um mit frischen Kräften einen neuen Anlauf zu starten. Ruth berichtet von einem Aufenthalt an der französischen Küste, wo man am Meer ihre Probleme mit den Vorderbeinen behandeln ließ, und nun steht sie seit Oktober in Ebreichsdorf.

Zu den weiteren Plänen hält sich Ruth aufgrund ihres Charakters noch ein wenig bedeckt und will Schritt für Schritt gehen. “Es wird am 15. Dezember einen ruhigen Probelauf geben, danach sind zwei Starts in der Wiener Krieau geplant. Beim zweiten Start würde ich sie gerne bei 80-90% sehen.” Somit dürfen sich die heimischen Traberfreunde auf ein echtes Spitzenpferd am Ablauf freuen und den Weg der Stute verfolgen, wobei im Gespräch herauskommt, dass man in Zukunft mit Starts in Schweden liebäugelt.

Daniel Stadler

Fahrplan zum Prix d’Amérique/ II: Délia du Pommereux

Ist schon bemerkenswert: Davidson du Pont hatte 2018 den Prix de Bretagne gewonnen, danach keinen Sieg mehr gefeiert – bis zum „Bretagne“ 2019 (siehe Artikel weiter unten) in beinahe der identen Zeit (1:12,6 im Vorjahr, 1:12,7/ 2700 heuer). Délia du Pommereux hatte 2018 den Prix du Bourbonnais gewonnen, danach keinen Sieg mehr gefeiert – bis zum „Bourbonnais“ am 8. Dezember 2019 in beinahe der identen Zeit (1:13,0 im Vorjahr, 1:13,1/ 2850 heuer)!

Wie auch am 17. November zum „Bretagne“, so herrschte neuerlich unter den Wettern keine Klarheit, im letzten Moment mutierte Délia du Pommereux zur knappen 39:10-Totofavoritin gegenüber Bold Eagle. Hingegen wurde der 5er-Streitmacht von Jean-Michel Bazire wenig Beachtung geschenkt. Womit die „Turfistes“ in beiden Fällen also wieder einmal ihren guten Riecher bewiesen. Bleiben wir gleich beim „Maître“: Dieses Wochenende gelang ihm kaum etwas, zudem fasste Bazire am Samstag neuerlich eine längere Fahrsperre aus. Im „Bourbonnais“ selbst lenkte er diesmal höchstpersönlich seine „Amérique-Titelverteidigerin“ Bélina Josselyn. Platz 11 in (inoffiziellen) 1:13,5 bedeutete vom Stil her immerhin einen kleinen Ansatz, da sie nicht allzu weit weg von der Musik landete, echt überzeugend agierte die „Primaballerina“ jedoch wieder nicht. Bazire wird sie wohl erst zum großen Rennen von allen vier Eisen befreien. Seine anderen Hochkaräter, Davidson du Pont und Looking Superb, kamen rundum beschuht an den Ablauf, wurden deshalb am Toto gar nicht beachtet und endeten ebenfalls unplatziert bzw. nach Startfehler disqualifiziert.

Vom Rennverlauf war’s für die Schilderung eine sehr einfache Angelegenheit. Bold Eagle (Eric Raffin) kam nicht sonderlich gut weg, begab sich aber bald auf den Vormarsch und übernahm nach ca. 800 Metern das Kommando. Nun lagen an der Innenkante direkt hinter ihm Délia du Pommereux (Franck Nivard) und Billie de Montfort (Gabriele Gelormini), während die neben Bold Eagle auftauchende Bahia Quesnot (Junior Guelpa) im Einlauf etwas abbauen sollte. Und genau diesen Umstand nützte Nivard zum finalen Angriff auf seinen ehemaligen Weggefährten, der fast schon „zu Hause“ schien. Mit halber Länge fing „Délia“ prompt „Boldie“ noch ab, trotzdem grinsten sich nach der Ziellinie beide Fahrer an. Denn auch Raffin durfte bei seiner Premiere mit dem zweifachen PdA-Gewinner ziemlich zufrieden sein. Blendend schlug sich dahinter aber mit Rang drei auch Billie de Montfort, für die es im Jahr 2019 bei 20 Starts durch acht (!) Länder gegangen war.

Vom Restfeld zeigte die sehr speedige „Schweizerin“ Uza Josselyn als Vierte auf, dahinter endete „Délias“ Stallgefährte Enino du Pommereux nach aufwändigem Verlauf wie im „Bretagne“ auf Platz fünf, noch klar vor Bahia Quesnot. Von den „Ausländern“ hielt sich der Italiener Vitruvio als Neunter nicht übel, hingegen stellte der Schwede Who’s Who neuerlich seine Abneigung gegenüber dem Geläuf von Vincennes unter Beweis, sprang diesmal gar bereits kurz nach dem Start (wie Looking Superb) rettungslos weg.

Delia

Damit gibt es nun nach zwei „B“-Vorprüfungen sechs Fix-Qualifizierte für den Prix d’Amérique am 26. Jänner 2020: Davidson du Pont, Chica de Joudes, Looking Superb, Délia du Pommereux, Bold Eagle und Billie de Montfort. Doch nur „Geheimtipp“ Chica de Joudes, die diesmal nicht mit von der Partie war, benötigte die Platzierung wirklich, alle anderen weisen ohnehin genügend Preisgeld am Konto auf. Ein Wort noch zu Bold Eagle: Da wurde im Vorfeld von einer kleinen Blessur gesprochen, die ihn aber sichtlich nicht störte. Der Vortrag bis an die Spitze war offensiv, dann fehlte auf den letzten Metern nur das letzte Quäntchen Kampfgeist. Aber den Trip nach Kanada scheint er gut überstanden zu haben, und mit Eric Raffin hat er jedenfalls einen ausgezeichneten Catchdriver im Sulky – ein Duo, dem im „Amérique“ viele Herzen zufliegen werden. „Boldie’s“ Ex-Driver, Franck Nivard, wird natürlich der Fahrer von Délia du Pommereux bleiben. Für die Stute, mit der sich Trainer Sylvain Roger Ende Jänner einiges ausrechnet, auch bestimmt kein Nachteil.

Einer, der ebenfalls genug an Prämien verdient hat und längst als Mitfavorit für den Prix d’Amérique gehandelt wird, trat übrigens schon am Samstag an: Face Time Bourbon. Der Vierjährige bestritt da im Jahrgang den Prix Octave Douesnal und gewann ihn nach einer Spazierfahrt von Björn Goop in 1:14,6/ 2700. Dessen Bummelei sah freilich wenig attraktiv aus, vor allem, als er seinen Schützling im Schlussbogen nochmals aufnahm, dabei die hinter ihm postierten Falcao de Laurma und Frisbee d’Am so sehr in Bedrängnis brachte, dass sie schwer einsprangen. Aber mit dem jungen Franzosen in italienischem Besitz mit dem schwedischen Fahrer wird im Preis von Amerika wohl zu rechnen sein…

Gerhard Reichebner

Die Richtung stimmt!

Natürlich hat diese Überschrift keine politische Färbung, dies läge niemals in der Intention des BTV. Vielmehr gemeint ist das Ziel, das Rudi Haller mit seinem Supercrack Orlando Jet im Besitz des Teams Neuhof aus dem nahen Velm im Bezirk Bruck/ Leitha ausgegeben hat. Und dieses lautet bekanntlich: Prix du Luxembourg am Samstag, 25. Jänner 2020.

Wir wussten dies schon länger, Haller hat es dann sozusagen offiziell nach seiner „siegreichen Arbeit“ im Hunyady-Memorials ausgesprochen. Allerdings mit einer Einschränkung: „Sollte ich merken, dass er nach einer doch etwas intensiveren Saison nicht mehr 100 Prozent gibt, ist sofort Schluss.“ Daher wurde das Antreten von Orlando Jet am vergangenen Donnerstag, 5. Dezember, im Prix Jean Boillereau (ehemals Prix de Blois/ 80.000 Euro) zu einem wahren Gradmesser. Mit Startnummer 15 musste er da aus der zweiten Reihe antreten und lag bis zum Berg an vorletzter Stelle des 16er-Feldes. Von da an verbesserte er sich in dritter Spur sukzessive nach vorne, schnaufte bei Erreichen des Einlaufs etwas durch, zog dann aber wieder prächtig an und wurde Vierter in 1:11,5a/ 2100. Womit er sein Konto um 6.400 auf exakt 389.651 Euro schraubte. Für mich als Beobachter war es eine hervorragende Vorstellung. War es dies aber auch für Rudi Haller, und vor allem: Stimmt die Richtung zum Prix du Luxembourg?

„Oui, die stimmt absolut“, wobei das ‚oui‘ eher als bayerisches ‚woih‘ klang. „Er hat mich auch nach der etwas längeren Rennpause seit dem Hunyady voll überzeugt. Es sieht gut aus für den Luxembourg – wenn wir drankommen.“ Das sollte sich vermutlich doch ausgehen, im Vorjahr kamen Pferde mit einer geringeren Gewinnsumme an die Reihe. Und gut möglich, dass sich Orlando Jet bis dahin noch auf über 400.000 Euro verbessert. Rudi Haller hat für ihn als Generalprobe den Prix de Lille am 5. Jänner (wieder um 80.000 Euro) ausgemacht. „Der ist mir lieber als der Prix de Bourgogne am 29. Dezember. Beide Rennen gehen über 2.100 Meter mit Autostart, aber der Prix de Lille sollte doch um einiges leichter sein als die Vorprüfung zum Prix d‘Amérique.“

Geschlagen geben musste sich Orlando Jet diesmal auch nur den drei Top-Chancen aus der ersten Reihe, Colonel (Jean-Michel Bazire; 11,3), Detroit Castelets (David Thomain; 11,4) und Tessy d’Ete (Franck Nivard; 11,4), allesamt vermutliche Gegner im „Luxembourg“, aber nur Colonel passt etwa auch in den Prix de Lille. Bazire war übrigens nach seiner Sperre „on fire“, holte sich am Donnerstag als Fahrer gleich die Hälfte der acht Prüfungen!

Gerhard Reichebner

Atalanta oder …?

Der Titel bezieht sich auf Martin Redls und Nadja Reisenbauers „Bauchgefühl“, als es darum ging, sich beim Ankauf eines Trabers zu entscheiden. Schlussendlich, und das kann man jetzt schon nach knapp drei Monaten analysieren, war es die richtige Entscheidung. Denn der in Baden ansässige Trabertrainer und seine junge Freundin gaben der dreijährigen Atalanta gegenüber der Vierjährigen Quuenie den Vorzug. Seit diesem Erwerb hat das österreichisch registrierte „Pferde-Teenie“ für ihre neue Besitzerin alle drei Bewerbe, in denen sie an den Start kam, zu einem Sieg umgemünzt!

Wie kam es zum Erwerb? Ihr Züchter und Besitzer Jiri Svoboda unterhält in der Nähe von Ostrava ein Riesengestüt und ist auch Eigentümer der Rennbahnanlage in Bravantice. Seit etlichen Jahren bereichert er auch den österreichischen Markt mit seinen rot-weiß-rot registrierten Pferden, doch seinen bislang größten Erfolg feierte er mit dem im französischen Zuchtregister eingetragenen und laufgewaltigen Boccaccio, der bereits knapp € 300.000,- an Prämien sammelte und u. a. auch in Paris-Vincennes reüssieren konnte.

Zurück aber zu Atalanta, die ihr Österreich-Debüt im vorjährigen Badener Zukunfts-Preis mit Christoph Fischer absolvierte, jedoch dort und genauso wie im „Bürger“ in Wien keine Rolle spielte. Dann wechselte Svoboda den Catchdriver, und Martin Redl holte mit ihr am 16. Juni mit kleiner Steigerung Rang vier. Noch immer blieb ihr Talent unentdeckt, auch nach dem Start Mitte Juli in Baden, wo die Paarung einen weiteren vierten Platz herausfuhr.

Knapp zwei Monate später kam es eben zum Ankauf der sehr prominent gezogenen Dreijährigen, deren Mutter Alies in Italien Seriensiegerin gewesen war. Atalantas Vater ist Aristote, ein Sohn des legendären Florestan, womit die Stute später auch für die heimische Zucht überaus interessant erscheint.

altRedl veränderte kaum etwas an Beschirrung und Beschlag, trainierte den Stall-Neuankömmling weiter und war mit ihrer Steigerung nach dem Quartierwechsel sehr zufrieden. Dennoch rechnete man sich im „Beess-Memorial“ am Wiener Hunyady-Tag zwar eine Steigerung, aber keinesfalls einen Sieg und schon gar nicht in der starken Marke von 1:14,8a/ 1600m aus, was sich auch am Totalisator mit 209:10 widerspiegelte. Den absoluten österreichischen Stuten-Dreijährigen-Rekord vom Super Hall (5. Juni 2016/ Bürger-Memorial) verfehlte sie damit auch nur bloß um 2/10-Sekunden! Klar, dass im Umfeld der Dreijährigen eine Riesenfreude aufkam, und die blieb bis dato ungebremst. Atalanta siegte auch im Vorlauf und Finale zur Global-Entertainment-Trophy und ließ besonders im Endlauf aus den Bändern mit nicht einmal kräfteschonendem Rennverlauf einen Zweifel um den Sieg aufkommen!

Martin Redl sieht in ihr ein tolles Rennpferd und aktuell im Jahrgangsranking einen Platz zwischen 3 bis 5. „Vielleicht können wir im Derby mitmischen, das große Ziel heißt aber eindeutig Österreichisches Stuten-Derby 2020 in Baden“, so der optimistisch klingende Trainer im Interview. Kommt mit ihr aus Baden wieder einmal ein Zuchtrennsiegerpferd?

Aktuell genießt Atalanta jedenfalls in ihrem Badener Trainingsquartier ihre wohlverdiente Winterpause.

Thomas Kancnyr

Cleangame – schneller als die Polizei erlaubt!

Mit seinem Antreten in Nantes, wo er „natürlich“ auch gewann, hatte sich Cleangame die Berechtigung für das 130.000 Euro „schwere“ Finale zum Grand National du Trot in Paris-Vincennes gesichert. Siehe auch (unten) unseren allerersten Artikel auf der BTV-Homepage, in dem wir dieses Szenario vorgezeichnet hatten.

Was sich damals anderen ausländischen Berichterstattern nicht so erschlossen hatte, trat tatsächlich ein. Obwohl noch dazu sein Trainer, Jean-Michel Bazire, mit einem Fahrverbot belegt war, erfreute Cleangame die Franzosen am ersten Advent-Sonntag trotz einer 50-Meter-Pönale mit seiner Anwesenheit. Und obwohl noch nie davor ein Pferd dieses Rennen mit einer solchen Zulage gewinnen hatte können, wurde er zum 24:10-Favoriten erkoren. Als Catchdriver engagierte Bazire – wo sonst gibt es das? – ausgerechnet seinen designierten Nachfolger als Champion: Prompt spielte sich auch Eric Raffin mit dem Sohn von Ouragan de Celland, der in seiner Rennkarriere nicht sehr auffällig war (8 Siege, nur 2x Zweiter in einem Gruppe-II-Bewerb). Cleangame machte somit auch die „Schmach“ aus dem Vorjahr wett, als er dieses Finale als Favorit bloß auf dem dritten Platz beendete.

Es war einmal mehr beeindruckend, wie Cleangame in äußeren Spuren schon früh nach vorne marschierte, sogar noch ausgangs des Bogens von Joinville die Führung übernahm, dann kurz mit dem Trainingsgefährten Dorgos de Guez rochierte, um in Folge ganz locker in neuem Renn- und Vincenner Distanzrekord von 1:11,5/ 2900 zu triumphieren. Das entspricht auf dem langen Weg außerdem einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50,35 km/h, mit der er im Pariser Stadtgebiet geblitzt worden wäre…

Gut vorstellbar, dass Bazire seinem Ausnahmekönner jetzt eine kleine Pause gönnt, zumal dieser als Wallach – leider – von allen Großprüfungen des Winter-Meetings ausgeschlossen ist. Die „GNT“-Gesamtwertung ging übrigens mit 53 Punkten an Elvis Madrik, der heuer bei sieben Stationen der Tour anwesend war, davon 2x siegreich war. In diesem Showdown hatte er letztlich zwar als finaler Neunter keine Chance, rettete das „Gelbe Trikot“ aber gegen Bachar (51 Punkte/ 8 Starts im GNT/ 1 Sieg/ diesmal ebenfalls unplatziert) ins Ziel.

Gerhard Reichebner

Fahrplan zum Prix d’Amérique/ I: Davidson du Pont

Aktuelle Artikel zu dieser Jahreszeit beinhalten in der Traberszene stets den Blick gen Westen nach Paris. Eine durchaus gelungene Maßnahme der Verantwortlichen war vor wenigen Jahren, die Qualifikation auf das große Rennen am letzten Jänner-Sonntag etwas übersichtlicher zu gestalten: Jeweils die ersten Drei der vier „B“-Vorprüfungen sind fix dabei, dazu die Sieger von Prix Ténor de Baune und Critérium Continental plus die absolut gewinnreichsten Pferde, sofern sie im Jahresverlauf ein bisschen etwas (20.000 Euro) auf ihr Konto gebracht haben.

Die erste Gelegenheit, auf den Zug aufzuspringen, bot nun am Sonntag, 17. November, der Prix de Bretagne (110.000 Euro), das erste „B“-Rennen, das am Papier und am Toto sehr ausgeglichen aussah. Wie schon im Vorjahr, so reüssierte aber auch heuer Davidson du Pont ziemlich sicher, und dies mit fast der identen Zeit, 1:12,7/ 2700 (2018: 12,6). War aber im Vorjahr noch „Maître“ Jean-Michel Bazire selbst hinter ihm gesessen, so hatte er diesmal schon jetzt die Zügel Franck Ouvrie überlassen, der im Vorjahr dann mit ihm im „Amérique“ Vierter wurde. Ouvrie machte jedenfalls alles richtig, lag kurz in Front, ehe er dem Schweden Who’s Who die Führung überließ, um bei Erreichen der Endgeraden perfekt wieder freizukommen. Ob mit einem kleinen „Foul“ gegen den da neben ihm liegenden Traders, oder doch ohne, lässt sich aus der Entfernung schwer sagen.

Davidson du Pont ist somit höchst offiziell für den Prix d’Amérique 2020 qualifiziert, ebenso die beiden Platzierten, Chica de Joudes (Alain Laurent) und Looking Superb (Alexandre Abrivard). Die Stute ist eine echte Aufsteigerin des Jahres – 7 Siege und fast 260.000 Euro verdient! Ganz interessant aber auch ihr Trainer und Fahrer: Alain Laurent. Der nun 66jährige Routinier war früher eine ganz große Nummer, vor allem im Trabreiten. 1974, vor 45 Jahren (!), triumphierte er auf Cette Histoire im Prix de Cornulier, dann mit Kaprius (1983) und Fripon Rose (1999) noch weitere zwei Mal. Sein letzter echt großer Crack vor dem Sulky war Mitte der 90er-Jahre Steed James. Laurent legte es wieder einmal überaus offensiv an, kutschierte Chica de Joudes zunächst durch die Todesspur, erdrückte in der Folge Who’s Who und musste sich Davidson du Pont letztlich nur knapp mit halber Länge beugen. Und das mit allen vier Eisen an den Hufen! Bleibt die Stute bis zum Tag X fit und schafft Alain Laurent dann auch ein taktisches Kalkül, ist Chica de Joudes für mich eine echte Sieganwärterin.

Natürlich bleibt auch der Dritte, der Norweger Looking Superb, auf der Liste ganz oben. Stets in der Spitzengruppe vertreten, zog er als Dritter brav durch, als Catchdriver wird mit ihm Alexandre Abrivard wohl wie im Vorjahr agieren dürfen, als die beiden im Prix d’Amérique sensationell den Ehrenplatz eroberten. – Ganz knapp schrammte Tony Gio (Jean-Philippe Monclin) an diesem ominösen dritten Platz vorbei, doch spielt das für den gebürtigen Italiener (und Sohn des großen Varenne) bei Gewinnen von fast 900.000 Euro ohnehin keine Rolle.

Dieses Quartett machte also klar den besten Eindruck. Von den beiden „Pommereux“-Cracks schnitt „Enino“ besser ab als die Bretagne-Vorjahrszweite „Delia“ (diesmal 8.). Dazwischen hielt sich Eugenito du Noyer (6.) ordentlich, schließlich war der Stallgefährte des legendären Ourasi erst Ende August bei seinem Triumph im französischen Fünfjährigen-Derby so richtig ins Blickfeld gekommen. Als Teilnehmer wird dieses Trio für den „Amérique“ in Frage kommen, mehr wohl nicht. Die vielleicht etwas höher einzuschätzende Bahia Quesnot kam diesmal kurz nach dem Start von den Beinen und lief bloß nach.

Bei Who’s Who muss man mit einer Beurteilung vielleicht noch zuwarten. Der schwedische Derbysieger von 2018 leistete zunächst für die Führung viel, gab später gegen Chica de Joudes relativ früh nach, stiefelte immerhin passabel weiter und lief als Neunter durchs Ziel. Negativ fällt bei ihm aber auf, dass er nun schon zum zweiten Mal in Vincennes unter den Erwartungen blieb – vor 13 Monaten enttäuschte er als hoher Favorit im Grand Prix de l’UET als Vierter. Ob das aus dem Kopf des Maharajah-Sohn geht?

Und dann wäre natürlich noch Belina Josselyn. Die „Amérique“-Titelverteidigerin, die 2019 auch noch Prix de Paris gewann, danach wegen einer Verletzung jedoch lange pausierte, absolvierte nun ihren dritten nichtssagenden Auftritt im Meeting. Diesmal durfte ihr Bazire‘s Sohn Nicolas den Kurs zeigen, abermals trat sie mit allen vier Eisen an und war am Toto entsprechend unbeachtet. Stets am Ende des Feldes postiert, zeigte sie etwa auch im Einlauf keinen Elan. Muss man sich um die „Ballerina“ Sorgen machen oder wird sie mit Jean-Michel Bazire im Sulky wieder die „Alte“ sein? Skepsis ist angebracht, aber abschreiben will ich „Belina“ natürlich jetzt auch noch nicht.

Der nächste PdA-Check folgt hier nach dem Prix du Bourbonnais (8. Dezember).

Gerhard Reichebner

Evita Viking ist die „Provinz-Kaiserin“ 2019

Gäbe es wie in Frankreich – siehe darunter den Artikel zu Cleangame – eine „Österreich-Rundfahrt“ der Traber, dann wäre Evita Viking eine heiße Anwärterin. 2019 gewann sie nämlich in nicht weniger als vier verschiedenen Bundesländern – in Niederösterreich (Edelhof/ 21. Juli, Baden/ 8. September), Oberösterreich (Wels/ 31. Mai, Bad Ischl/ 15. August), der Steiermark (Gröbming/ 27. Juli) und in Tirol (Kirchberg/ 26. Oktober). Das gelang keinem anderen Traber heuer! Nur in der Wiener Krieau reichte es bislang „nur“ zu zwei Ehrenplätzen, aber auch da kann ein Sieg ja noch folgen.

Das alles in einer Saison, die am 6. Jänner auf Schnee in Kitzbühel begann, und in der die Stute bei Verfassen dieser Zeilen 17 Starts absolvierte. Sechs davon also siegreich, macht für die gesamte Karriere 28 volle Erfolge! Ob’s 30 werden? „Wäre natürlich schön, aber sie ist nächstes Jahr zehn Jahre alt. Auspressen wollen wir sie natürlich auch nicht. Das hätte sie einerseits nicht verdient, andererseits besitzt sie als Love-You-Tochter aus einer tollen Mutterlinie auch eine Abstammung mit viel Phantasie“, denkt Trainer Gerhard Mayr laut über das Ende ihrer Laufbahn nach. „Ende Jänner sehen wir weiter.“

Dass Evita Viking überhaupt noch ein – noch dazu außerordentlich gutes – Rennpferd (absoluter Rekord 1:13,1, rund 70.000,- Euro Gewinne) wurde, ist eigentlich ein kleines Wunder. Der bayerische Züchter Peter Mayer ließ sie von Josef Franzl einbrechen, dann ereignete sich aber ein böser Unfall, bei dem sie einen Schädelbruch erlitt, der sie dann auf einem Auge zudem sehr schlecht sehen ließ. 3jährig versuchte es Mayer dann bei Mayr, der „Evita“ quasi nochmals an den Wagen gewöhnte und die hypernervöse Stute u. a. mit einer Schwimm-Therapie ruhiger bekam, wenngleich sie bis heute sehr empfindlich geblieben ist. Dass sie enormes Laufvermögen hatte, sah man längst. Mayer verkaufte dennoch an Mayr, ganz exakt an Christian Mayr. Und eine schöne Erfolgsgeschichte – mit Siegen natürlich auch auf vielen anderen Schauplätzen als den oben für 2019 genannten – konnte beginnen.

Gerhard Reichebner

Das Wintermeeting begann mit einem „sauberen Spiel“

Alle Traber-Insider blicken Jahr für Jahr auf das Spektakel von Paris-Vincennes, das sich „Winter-Meeting“ nennt und heuer von 30. Oktober 2019 bis – „Danke Schaltjahr!“ – 29. Februar 2020 andauert. Der „Prix des Cevennes“ (90.000 Euro) ist normalerweise ein eher unspektakuläres Auftaktrennen, das sich heuer aber durch das Antreten von Seriensieger Cleangame auszeichnete. Der 7j. Wallach erledigte diese Aufgabe als 15:10-Topfavorit in 1:12,0/ 2850m mit Kult-Driver Jean-Michel Bazire auch höchst souverän, gewann da vor „Provinz-Kaiser“ Balbir (12,1) sowie Bahia Quesnot (12,2), die als Aufsteigerin des Jahres 2019 gilt und hier – im Hinblick auf kommende Aufgaben – eigentlich nur „mitlaufen“ sollte.

Dieser Cleangame war natürlich schon 2018 dank neun Erfolgen bei elf Starts in ganz Frankreich bestens bekannt, weil er die „Tour de France“ der Traber an acht verschiedenen (!) Stätten siegreich beehrt hatte. Nur zum Finale in der Hauptstadt reichte es „bloß“ zu Rang drei. Dann aber holte er sich am 26. Jänner 2019, am Vortag des Prix d’Amérique, den „Luxembourg“ souverän in seiner Bestzeit von 1:10,8a/ 2100m, um in der Folge – bis dato – heuer weitere acht Mal zu reüssieren. Nach Verfassen dieses Artikels stand am Mittwoch, 6. November, für ihn die 12. Etappe des „Grand National du Trot“ auf dem Programm. Gelaufen in Nantes, wo er auch im Vorjahr zugeschlagen hatte, und natürlich als Sprungbrett gedacht für die neuerliche Qualifikation für das „Tour“-Finale in Paris am 1. Dezember. Dann ist also „Wiedergutmachung“ bei den Fans für das Vorjahr angesagt.

Viel mehr wird man von Cleangame dann im Meeting wohl nicht mehr sehen, da er als Wallach von den ganz großen internationalen Prüfungen – dem Prix d’Amérique und allen Vorprüfungen darauf – ausgeschlossen ist bzw. seinen Titel im „Luxembourg“ aufgrund der so hoch gewordenen Gewinnsumme (1,1 Mio Euro) auch nicht verteidigen darf. Für diesen Prix du Luxembourg erhoffen wir aber natürlich das Antreten von Orlando Jet aus dem „Team Neuhof“ mit Rudi Haller, der ein solches nach dem „Hunyady“-Triumph ankündigte, „wenn sich Orlando bis dahin voll einsatzbereit zeigt.“

Wir werden an dieser Stelle immer wieder nach Paris schielen, schließlich steht das Highlight am letzten Jänner-Sonntag auch unter dem Motto „100 Jahre Prix d’Amérique“, da die erste Auflage 1920 (Premierensieger: Pro Patria) stattfand. Ihr Autor dieser Zeilen feiert immerhin den „40er“, den Eléazar im Jahr 1980 eingeleitet hatte…

Gerhard Reichebner

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