Aktuelle Stories

Mit dieser Rubrik wollen wir eine Artikel-Serie quer durch den „Traber-Gemüsegarten“ bieten. Eine Nähe zu Baden soll womöglich gegeben sein, ist aber keineswegs vonnöten. Gerne laden wir dazu auch Gast-Autoren ein, die ihre Berichte an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. senden können, wobei der BTV natürlich darauf achten wird, dass die Seriosität stets gewahrt bleibt und Überlängen vermieden werden.

Fahrplan zum Prix d’Amérique/ I: Davidson du Pont

Aktuelle Artikel zu dieser Jahreszeit beinhalten in der Traberszene stets den Blick gen Westen nach Paris. Eine durchaus gelungene Maßnahme der Verantwortlichen war vor wenigen Jahren, die Qualifikation auf das große Rennen am letzten Jänner-Sonntag etwas übersichtlicher zu gestalten: Jeweils die ersten Drei der vier „B“-Vorprüfungen sind fix dabei, dazu die Sieger von Prix Ténor de Baune und Critérium Continental plus die absolut gewinnreichsten Pferde, sofern sie im Jahresverlauf ein bisschen etwas (20.000 Euro) auf ihr Konto gebracht haben.

Die erste Gelegenheit, auf den Zug aufzuspringen, bot nun am Sonntag, 17. November, der Prix de Bretagne (110.000 Euro), das erste „B“-Rennen, das am Papier und am Toto sehr ausgeglichen aussah. Wie schon im Vorjahr, so reüssierte aber auch heuer Davidson du Pont ziemlich sicher, und dies mit fast der identen Zeit, 1:12,7/ 2700 (2018: 12,6). War aber im Vorjahr noch „Maître“ Jean-Michel Bazire selbst hinter ihm gesessen, so hatte er diesmal schon jetzt die Zügel Franck Ouvrie überlassen, der im Vorjahr dann mit ihm im „Amérique“ Vierter wurde. Ouvrie machte jedenfalls alles richtig, lag kurz in Front, ehe er dem Schweden Who’s Who die Führung überließ, um bei Erreichen der Endgeraden perfekt wieder freizukommen. Ob mit einem kleinen „Foul“ gegen den da neben ihm liegenden Traders, oder doch ohne, lässt sich aus der Entfernung schwer sagen.

Davidson du Pont ist somit höchst offiziell für den Prix d’Amérique 2020 qualifiziert, ebenso die beiden Platzierten, Chica de Joudes (Alain Laurent) und Looking Superb (Alexandre Abrivard). Die Stute ist eine echte Aufsteigerin des Jahres – 7 Siege und fast 260.000 Euro verdient! Ganz interessant aber auch ihr Trainer und Fahrer: Alain Laurent. Der nun 66jährige Routinier war früher eine ganz große Nummer, vor allem im Trabreiten. 1974, vor 45 Jahren (!), triumphierte er auf Cette Histoire im Prix de Cornulier, dann mit Kaprius (1983) und Fripon Rose (1999) noch weitere zwei Mal. Sein letzter echt großer Crack vor dem Sulky war Mitte der 90er-Jahre Steed James. Laurent legte es wieder einmal überaus offensiv an, kutschierte Chica de Joudes zunächst durch die Todesspur, erdrückte in der Folge Who’s Who und musste sich Davidson du Pont letztlich nur knapp mit halber Länge beugen. Und das mit allen vier Eisen an den Hufen! Bleibt die Stute bis zum Tag X fit und schafft Alain Laurent dann auch ein taktisches Kalkül, ist Chica de Joudes für mich eine echte Sieganwärterin.

Natürlich bleibt auch der Dritte, der Norweger Looking Superb, auf der Liste ganz oben. Stets in der Spitzengruppe vertreten, zog er als Dritter brav durch, als Catchdriver wird mit ihm Alexandre Abrivard wohl wie im Vorjahr agieren dürfen, als die beiden im Prix d’Amérique sensationell den Ehrenplatz eroberten. – Ganz knapp schrammte Tony Gio (Jean-Philippe Monclin) an diesem ominösen dritten Platz vorbei, doch spielt das für den gebürtigen Italiener (und Sohn des großen Varenne) bei Gewinnen von fast 900.000 Euro ohnehin keine Rolle.

Dieses Quartett machte also klar den besten Eindruck. Von den beiden „Pommereux“-Cracks schnitt „Enino“ besser ab als die Bretagne-Vorjahrszweite „Delia“ (diesmal 8.). Dazwischen hielt sich Eugenito du Noyer (6.) ordentlich, schließlich war der Stallgefährte des legendären Ourasi erst Ende August bei seinem Triumph im französischen Fünfjährigen-Derby so richtig ins Blickfeld gekommen. Als Teilnehmer wird dieses Trio für den „Amérique“ in Frage kommen, mehr wohl nicht. Die vielleicht etwas höher einzuschätzende Bahia Quesnot kam diesmal kurz nach dem Start von den Beinen und lief bloß nach.

Bei Who’s Who muss man mit einer Beurteilung vielleicht noch zuwarten. Der schwedische Derbysieger von 2018 leistete zunächst für die Führung viel, gab später gegen Chica de Joudes relativ früh nach, stiefelte immerhin passabel weiter und lief als Neunter durchs Ziel. Negativ fällt bei ihm aber auf, dass er nun schon zum zweiten Mal in Vincennes unter den Erwartungen blieb – vor 13 Monaten enttäuschte er als hoher Favorit im Grand Prix de l’UET als Vierter. Ob das aus dem Kopf des Maharajah-Sohn geht?

Und dann wäre natürlich noch Belina Josselyn. Die „Amérique“-Titelverteidigerin, die 2019 auch noch Prix de Paris gewann, danach wegen einer Verletzung jedoch lange pausierte, absolvierte nun ihren dritten nichtssagenden Auftritt im Meeting. Diesmal durfte ihr Bazire‘s Sohn Nicolas den Kurs zeigen, abermals trat sie mit allen vier Eisen an und war am Toto entsprechend unbeachtet. Stets am Ende des Feldes postiert, zeigte sie etwa auch im Einlauf keinen Elan. Muss man sich um die „Ballerina“ Sorgen machen oder wird sie mit Jean-Michel Bazire im Sulky wieder die „Alte“ sein? Skepsis ist angebracht, aber abschreiben will ich „Belina“ natürlich jetzt auch noch nicht.

Der nächste PdA-Check folgt hier nach dem Prix du Bourbonnais (8. Dezember).

Gerhard Reichebner

Evita Viking ist die „Provinz-Kaiserin“ 2019

Gäbe es wie in Frankreich – siehe darunter den Artikel zu Cleangame – eine „Österreich-Rundfahrt“ der Traber, dann wäre Evita Viking eine heiße Anwärterin. 2019 gewann sie nämlich in nicht weniger als vier verschiedenen Bundesländern – in Niederösterreich (Edelhof/ 21. Juli, Baden/ 8. September), Oberösterreich (Wels/ 31. Mai, Bad Ischl/ 15. August), der Steiermark (Gröbming/ 27. Juli) und in Tirol (Kirchberg/ 26. Oktober). Das gelang keinem anderen Traber heuer! Nur in der Wiener Krieau reichte es bislang „nur“ zu zwei Ehrenplätzen, aber auch da kann ein Sieg ja noch folgen.

Das alles in einer Saison, die am 6. Jänner auf Schnee in Kitzbühel begann, und in der die Stute bei Verfassen dieser Zeilen 17 Starts absolvierte. Sechs davon also siegreich, macht für die gesamte Karriere 28 volle Erfolge! Ob’s 30 werden? „Wäre natürlich schön, aber sie ist nächstes Jahr zehn Jahre alt. Auspressen wollen wir sie natürlich auch nicht. Das hätte sie einerseits nicht verdient, andererseits besitzt sie als Love-You-Tochter aus einer tollen Mutterlinie auch eine Abstammung mit viel Phantasie“, denkt Trainer Gerhard Mayr laut über das Ende ihrer Laufbahn nach. „Ende Jänner sehen wir weiter.“

Dass Evita Viking überhaupt noch ein – noch dazu außerordentlich gutes – Rennpferd (absoluter Rekord 1:13,1, rund 70.000,- Euro Gewinne) wurde, ist eigentlich ein kleines Wunder. Der bayerische Züchter Peter Mayer ließ sie von Josef Franzl einbrechen, dann ereignete sich aber ein böser Unfall, bei dem sie einen Schädelbruch erlitt, der sie dann auf einem Auge zudem sehr schlecht sehen ließ. 3jährig versuchte es Mayer dann bei Mayr, der „Evita“ quasi nochmals an den Wagen gewöhnte und die hypernervöse Stute u. a. mit einer Schwimm-Therapie ruhiger bekam, wenngleich sie bis heute sehr empfindlich geblieben ist. Dass sie enormes Laufvermögen hatte, sah man längst. Mayer verkaufte dennoch an Mayr, ganz exakt an Christian Mayr. Und eine schöne Erfolgsgeschichte – mit Siegen natürlich auch auf vielen anderen Schauplätzen als den oben für 2019 genannten – konnte beginnen.

Gerhard Reichebner

Das Wintermeeting begann mit einem „sauberen Spiel“

Alle Traber-Insider blicken Jahr für Jahr auf das Spektakel von Paris-Vincennes, das sich „Winter-Meeting“ nennt und heuer von 30. Oktober 2019 bis – „Danke Schaltjahr!“ – 29. Februar 2020 andauert. Der „Prix des Cevennes“ (90.000 Euro) ist normalerweise ein eher unspektakuläres Auftaktrennen, das sich heuer aber durch das Antreten von Seriensieger Cleangame auszeichnete. Der 7j. Wallach erledigte diese Aufgabe als 15:10-Topfavorit in 1:12,0/ 2850m mit Kult-Driver Jean-Michel Bazire auch höchst souverän, gewann da vor „Provinz-Kaiser“ Balbir (12,1) sowie Bahia Quesnot (12,2), die als Aufsteigerin des Jahres 2019 gilt und hier – im Hinblick auf kommende Aufgaben – eigentlich nur „mitlaufen“ sollte.

Dieser Cleangame war natürlich schon 2018 dank neun Erfolgen bei elf Starts in ganz Frankreich bestens bekannt, weil er die „Tour de France“ der Traber an acht verschiedenen (!) Stätten siegreich beehrt hatte. Nur zum Finale in der Hauptstadt reichte es „bloß“ zu Rang drei. Dann aber holte er sich am 26. Jänner 2019, am Vortag des Prix d’Amérique, den „Luxembourg“ souverän in seiner Bestzeit von 1:10,8a/ 2100m, um in der Folge – bis dato – heuer weitere acht Mal zu reüssieren. Nach Verfassen dieses Artikels stand am Mittwoch, 6. November, für ihn die 12. Etappe des „Grand National du Trot“ auf dem Programm. Gelaufen in Nantes, wo er auch im Vorjahr zugeschlagen hatte, und natürlich als Sprungbrett gedacht für die neuerliche Qualifikation für das „Tour“-Finale in Paris am 1. Dezember. Dann ist also „Wiedergutmachung“ bei den Fans für das Vorjahr angesagt.

Viel mehr wird man von Cleangame dann im Meeting wohl nicht mehr sehen, da er als Wallach von den ganz großen internationalen Prüfungen – dem Prix d’Amérique und allen Vorprüfungen darauf – ausgeschlossen ist bzw. seinen Titel im „Luxembourg“ aufgrund der so hoch gewordenen Gewinnsumme (1,1 Mio Euro) auch nicht verteidigen darf. Für diesen Prix du Luxembourg erhoffen wir aber natürlich das Antreten von Orlando Jet aus dem „Team Neuhof“ mit Rudi Haller, der ein solches nach dem „Hunyady“-Triumph ankündigte, „wenn sich Orlando bis dahin voll einsatzbereit zeigt.“

Wir werden an dieser Stelle immer wieder nach Paris schielen, schließlich steht das Highlight am letzten Jänner-Sonntag auch unter dem Motto „100 Jahre Prix d’Amérique“, da die erste Auflage 1920 (Premierensieger: Pro Patria) stattfand. Ihr Autor dieser Zeilen feiert immerhin den „40er“, den Eléazar im Jahr 1980 eingeleitet hatte…

Gerhard Reichebner

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